Schach Praline Pos1

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Kann Weiß gewinnen ???

Samstag, 25. Mai 2013

Abenteuer mit Karl May und Bobby Fischer

 
 

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über SCHACH - TICKER von FJ am 24.05.13

Bamberger Verleger und Schach-Legende Lothar Schmid stirbt mit 85 Jahren

Von Hartmut Metz

 

Hadschi Halef Omar Ben Hadschi Abul Abbas Ibn Hadschi Dawuhd al Gossarah. Den ellenlangen Namen des Helden aus „Durchs wilde Kurdistan" kannte Lothar Schmid mindestens so gut wie einst Karl May (1825-1912). Der Verleger in dritter Generation betete den Namen des Freundes von Kara Ben Nemsi auch im hohen Alter noch problemlos herunter. Früher hatte der Bamberger die neun Worte hinter Hadschi Halef Omar vor mancher Partie memoriert, um sein Gehirn auf Trab zu bringen. Am vergangenen Samstag starb die Schach-Legende acht Tage nach seinem 85. Geburtstag.

 

Lothar Schmid errang als einer der wenigen Spieler den Großmeister-Titel im Turnier- als auch im per Post gespielten Fernschach. Doch nicht allein deswegen gilt der „schöne Lothar" als eine der schillerndsten Figuren der Schach-Geschichte. Der 278fache deutsche Nationalspieler wurde vom Weltverband FIDE zum „Schiedsrichter des Jahrhunderts" gekürt. Immer wenn es schwierig wurde, vermittelte der Jurist auf den 64 Feldern. Bei den Weltmeisterschaften 1978 zwischen dem in die Schweiz emigrierten Viktor Kortschnoi und dem Sowjet Anatoli Karpow beruhigte Schmid ebenso die Gemüter wie 1986, als zwischen Karpow und Garri Kasparow die Fetzen flogen.

 

Legendär bleibt jedoch sein Einsatz 1972 in Reykjavik. Ohne den Fernschach-Vizeweltmeister wäre das „Match des Jahrhunderts" in Island zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski geplatzt. Als der Amerikaner nach der kampflos verlorenen zweiten Partie wieder Mätzchen machte, wurde Schmid rigoros: „Ich packte die beiden Kampfhähne, die etwas größer als ich waren, bei den Schultern und drückte sie in ihre Sessel. Dann befahl ich: ,Spielt jetzt!' Spasski machte daraufhin automatisch den ersten Zug. Nach diesem schwersten Augenblick war das Match gerettet", erinnerte sich der Referee an die dritte Partie, ab der Fischer das Geschehen in die Hand nahm.

 

Mehr als 150 Bücher widmeten sich dem populärsten Schach-Duell aller Zeiten – Schmid hatte sie zu Hause alle. Und noch viel mehr. Mit „vermutlich mehr als 50.000 Büchern" stellte seine Bibliothek die größte private Schach-Sammlung auf dem Globus dar. Doch auch hier regierte Schmids Maxime: „Qualität geht vor Quantität." Als es galt, „den Eckstein aller Schachbücher" – das erste Lehrwerk, den 1497 in Spanien erschienenen Lucena – zu erwerben, überlegte er „lange, lange", ehe sich der Büchernarr das „teure Vergnügen" doch leistete.

 

Seinen Nachlass hatte der zuletzt zurückgezogen lebende Verleger schon vor zwei Jahrzehnten geregelt. Nachdem er die Geschicke an seinen Sohn Bernhard übergeben hatte, fungierte der gebürtige Radebeuler noch lange als „Berater" des seit exakt 100 Jahren monothematisch orientierten Verlages. Ganz konnte Schmid nie von Karl May lassen, der seit der Gründung 1913 als Alleinautor der Bamberger dient. Deshalb faszinierte ihn der in mehr als 40 Sprachen übersetzte Abenteuer-Romancier besonders: „Mit mehr als 200 Millionen verkauften Büchern zählt der Schöpfer von Winnetou zu den meist gelesenen Autoren aller Zeiten", betonte der Großmeister gerne, der nun Karl May und Bobby Fischer in die „ewigen Jagdgründe" folgte.

 

Schmid hatte viele große Skalps an seinem Gürtel hängen. In dieser Schachspalte wurden bereits sehenswerte Siege von ihm über Weltmeister Michail Botwinnik oder Efim Bogoljubow vorgestellt. Nachstehend der kurzweiligste bei der Olympiade 1968 in Lugano, als Deutschland in der Vorrunde auf Hongkong traf. Schmid schlug Glen Gibbs in nur neun Zügen!

 

W: Gibbs S: Schmid

1.e4 Sf6 2.Sc3 d5 3.exd5 Sxd5 4.Sge2 Sc6 5.g3? Ein schwacher Zug, der das Feld f3 vernachlässigt. Lg4 6.Lg2 Sd4! Trickreich gespielt, auch wenn es der stärkste Zug ist. 7.Lxd5?? Gibbs unterschätzt das Können des Großmeisters – ansonsten hätte er sicher Lunte gerochen. Dxd5!! Erst jetzt geht Weiß ein Licht auf. 8.f3 8.Sxd5 erlaubt ein hübsches Finale: Sf3+ 9.Kf1 Lh3 matt. Dxf3 Sxf3+ gewinnt ebenso: 9.Kf2 Df5 10.h3 Sxd2+ 11.Ke1 Sf3+ 12.Kf2 Sg5+ 13.Lf4 Sxh3+ 14.Kg2 g5. 9.Tf1 Dg2 Gibbs gab auf wegen 10.d3 Sf3+ 11.Txf3 Dxf3 und Schwarz verfügt über zu großen materiellen Vorteil. 0:1.

 

 

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Mittwoch, 22. Mai 2013

In Memoriam [2]

 
 

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über SCHACH - TICKER von FJ am 20.05.13

Er bleibt eine deutsche Schachlegende – zum Tode von Lothar Schmid [10. Mai 1928 bis 18. Mai 2013]
Foto: von links nach rechts sitzend: Raymund Stolze, GM Burkhard Malich, GM Lothar Schmid und GM Wolfgang Uhlmann auf dem Legendentreffen in Dresden – Copyright: Dr. Gabriele Stolze

 

Noch vor wenigen Tagen hatte mein Kollege Dagobert Kohlmeyer aus Anlass des 85. Geburtstages von Lothar Schmid bei ChessBase eine sehr persönliche Laudatio auf eine der bedeutenden deutschen Schachlegenden geschrieben [http://www.chessbase.de/Home/TabId/176/PostId/4009773/lothar-schmid-feiert-jubilum-100513.aspx].

 

Wer zwischen den Zeilen lesen konnte, der wusste, dass es dem Jubilar seit einiger Zeit gesundheitlich nicht gut ging und er seinen Geburtstag deshalb in aller Stille im engsten Familienkreis beging. Aber dass der Großmeister und Karl-May-Verleger nur acht Tage später einer schweren Krankheit erlegen sein würde, daran hätten wohl selbst seine Freunde nicht zu denken gewagt.

 

Das Leben ist ein Schachspiel mit dem Tod, so lautet die Botschaft des Spielfilms „Das siebente Siegel" von dem großen schwedischen Regisseur Ingmar Bergman.

 

Wenn man so will, hat Lothar Schmid, der im sächsischen Radebeul bei Dresden geboren wurde und dort seine Kindheits-und Jugendjahre verlebte, bis ihn die Irren und Wirren des Zweiten Weltkrieges 1947 mit nach Bamberg verschlugen, wo sein Vater den Karl-May-Verlag weiter führte, den dann die Söhne übernehmen mussten, eine „Seeschlange" spielen dürfen. Und dabei sportlich Herausragendes geleistet.

 

„Die Liste der Schacherfolge von Lothar Schmid besticht vor allem durch ihre Vielfalt. Zweimal gewann er mit der deutschen Nationalmannschaft auf Schacholympiaden die Bronzemedaille (1950 in Dubrovnik und 1964 in Tel Aviv). Er trug den Großmeistertitel im Turnierschach und im Fernschach. Als Turnierspieler trug er Wesentliches zur Entwicklung und Verbreitung der Ben-Oni-Verteidigung bei. Herausragend ist Schmids Sieg im Dr. Dyckhoff-Fernschach-Gedenkturnier (1954-1956) mit 14 Punkten aus 15 Partien.

 

An der Durchführung des Weltmeisterschaftskampfes 1972 in Reykjavik zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski hatte Lothar Schmid mit seinem diplomatischen Geschick entscheidenden Anteil, weshalb man ihm 2005 den Titel „Schiedsrichter des Jahrhunderts" verlieh. Er hatte das Kandidatenfinale zwischen Fischer und Petrosjan (Buenos Aires 1971) sowie die Wettkämpfe zwischen Karpow und Kortschnoj (Baguio City, 1978), zwischen Karpow und Kasparow (London/Leningrad, 1986) und das Revanchematch zwischen Fischer und Spasski (Cveti Stefan/Belgrad, 1992) geleitet", so DSB-Präsident Herbert Bastian über das Ehrenmitglied des Deutschen Schachbundes [http://www.schachbund.de/entry/668#body-anchor].

 

Was für mich immer in Erinnerung von diesem gütigen und weisen Mann bleiben wird, sind zumindest vier Begegnungen.

 

Die eine fand am Vorabend der Widervereinigung der beiden deutschen Schachverbände am 28. September 1990 im berühmten Auerbachs-Keller in Leipzig statt. Lothar Schmid war an unserem Tisch in diesem Abend natürlich der Mittelpunkt, aber voller Charme und Witz in seinen Erzählungen. Ich habe es noch vor meinem Augen, wie die sieben Jahre ältere Edith Keller-Herrmann (17.11. 1921 – 12.10. 2010), auf einmal wieder in ihre Jugendjahre in Dresden tauchte und Erinnerungen dabei sich in ihrem Gesicht spiegelten…

 

Das zweite Treffen fand Mitte der 1990er-Jahre auf der Frankfurter Buchmesse statt, wo der Karl-May-Verleger natürlich präsent sein musste, der bis 2007 die Geschäfte des Unternehmens führte, dem er sich verpflichtet fühlte. Dass er dadurch nicht Schachprofi werden konnte, hat ihn eigentlich niemals bedrückt, denn seine Sammlerleidenschaft dürft4 ihn mehr als entschädigt haben. Mit ca. 50.000 Titeln hatte er die weltweit bedeutendste private Sammlung von Schachpublikationen im Läufe der Zeit zusammengetragen. Und natürlich war er über das Original des Werkes von Lucena von 1497, das er in Brasilien bei einer Versteigerung erwarb, besonders stolz.

 

Vor nicht all zu langer Zeit war Lothar Schmid Gast der Lasker-Gesellschaft. Und natürlich stand da vor allem sein freundschaftlich väterliches Verhältnis zu Robert James Fischer im Mittelpunkt des anregenden Gespräches.

 

Schließlich erinnere ich mich an drei Tage im August 2012 in Dresden. Er gehörte zum illustren Kreise des Treffens von lebenden Schachlegenden, die zwei Voraussetzungen für die Teilnahme mitbringen mussten: Mindestalter 75 und den Großmeistertitel.

 

Bei einer Stadtrundfahrt sind wir auch durch Radebeul gefahren, und ich habe dabei Lothar genau beobachtet, wie er wohl eher wehmütig und für immer Abschied von der Kindheit genommen hat, als wir an seinem einstigen Wohnhaus vorbei fuhren.

 

Und natürlich werde ich seinen trockenen Humor nicht vergessen. Einer der Höhepunkte war ein Simultan Deutschland auf dem historischen Platz vor der Dresdener Frauenkirche. Das russische Team mit Juri Awerbach, Mark Taimanow und Jewgeni Wasjukow eröffnete 1.e4, die deutsche Mannschaft mit Lothar Schmid, Wolfgang Uhlmann und Burghard Malich antwortete 1.e6. Es folgte 2.d4 d5 3.Sd2, und als dann Uhlmann a Tempo 3…c5 zog, da meinte Lothar Schmid, der sich 1982 von Wettkampfschach zurück gezogen hatte, sehr bestimmt aber ebenso hintersinnig: „Von nun an kannst Du allein weiter spielen…"

 

Ich bin sicher, dass in diesem Jahr im August beim zweiten Legendentreffen in Elbflorenz Lothar Schmid ganz bestimmt vermisst wird…

 

Raymund Stolze

 

 

Im Haus der Geschichte am 21. Januar 2007 in Bonn
Ein Bericht von Gerhard Hund


 
 

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Dienstag, 21. Mai 2013

GM Lothar Schmid – ein ganz Grosser ist von uns gegangen…

 
 

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über Schach und Kultur von Frank Mayer am 21.05.13

 

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   Lothar Schmid während eines Turnieres 1959 in Nürnberg

 Foto: ALAMY – Archiv Telegraph.co.uk.

Lothar Schmid, der im Alter von 85 Jahren starb, war ein deutscher Schach-Grossmeister und hat wohl die weltweit reichste Privat-Schachbibliothek.

Lothar Schmid verdiente sich den Lebensunterhalt, indem er seinen Brüdern half, das familiäre Verlagshaus zu unterstützen; als Spieler erreichte er eigentlich nie die Weltspitze, aber seine Sammlung von Büchern vermehrte sich zu vielen Tausenden von Bänden und enthält einige besondere Kostbarkeiten.
Er besaß zum Beispiel eines von den nur noch 10 existierenden Exemplaren des ersten gedruckten Buches über Schach: Luis Lucena: die Repetition der Liebe und die Kunst des Schachspieles (Repetición de Amores y Arte de Ajedrez), das 1497 in Salamanca (Spanien) veröffentlicht wurde.

 

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              Foto: Bibibliotecaajedrez.blogspot.vom            


Er war auch im Besitz aller 8 Ausgaben von „LIBRO  DA IMPARARE GIOCARE A Scachi", in Rom 1512 veröffentlicht von dem portugiesischen Apotheker Pedro Damiano (1470-1544):

 

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Bild: Archiv Telegraph.co.uk

Der erste „Bestseller" als Schach-Handbuch des modernen Spieles (aufgelegt acht Ausgaben in 50 Jahren), bot Ratschläge, wie man spielen sollte und um auch "ein ersticktes Matt" kennenzulernen.

 

Damiano vermutete, dass das Schach von Xerxes dem Großen, König von Persien 519-465 v. Chr. erfunden wurde. (Vielleicht bezog er sich hierbei auf die Ähnlichkeit des Namens „Xerxes = jadrez")
Im Jahre 1562 wurde das Buch von James Rowbothum ins Englische übersetzt mit dem Titel „The Pleasaunt und Wittie Playe of the Cheasts Renewed with Instructions Both to Learne Easely, and to Play it Well".

 


GM Lothar Schmid war auch als Hauptschiedsrichter bei mehreren Weltmeisterschaften, darunter das unvergessene Zusammentreffen in Reykjavik 1972 zwischen Bobby Fischer und Boris Spasski; ein Ereignis, das sich in einen Mikrokosmos des Kalten Krieges entwickelte.
Fischer gewann die Weltmeisterschaft mit 12,5 zu 8,5 Punkten, unterbrochen von vielen „Hakeleien" und „Schuldzuweisungen" beider Parteien.
Es wird gesagt, dass das Spiel noch „stürmischer" geworden wäre, wenn Lothar Schmid nicht mit seinen geschickten und diplomatischen Interventionen Ruhe geschaffen hätte.

 

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Foto Tageblatt.de

Nachdem Boris Spasski die erste Partie gewonnen hatte, weigerte sich Fischer, bei dem zweiten Spiel anzutreten und Schmid erklärte, dass Spasski kampflos gewonnen hatte.

Fischer drohte, aus dem Match auszusteigen.
Es erforderte eine Menge Arbeit und Bemühungen seitens Lothar Schmid, dass beide Spieler wieder vernünftig wurden.

 

"Ich fühlte, es gab nur eine Chance, sie zusammen zu bekommen", erinnerte er sich später. "Sie waren zwei erwachsene Jungs, und ich war der ältere. Ich nahm sie beide zu mir und drückte sie an den Schultern nach unten in ihre Stühle, und dann sagte ich: 'Jetzt wird Schach gespielt!'"

 

Lothar Schmid war abermals der Schiedsrichter, als Bobby Fischer und Boris Spasski ihr sogenanntes "Revanche Match" in Sveti Stefan im Jahr 1992 spielten, auf einer kleinen Adria-Insel zu Montegro gehörig.

 

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 Foto: echecs-photos.be

Er beaufsichtigte auch die WM-Kämpfe 1978 zwischen Anatoli Karpov und Viktor Kortschnoi auf den Philippinen und zwischen Anatoly Karpov und Gary Kasparov 1986 in London und Leningrad.


Lothar Maximilian Lorenz Schmid wurde am 10. Mai 1928 in Radebeul bei Dresden geboren. Seine Familie war Mitinhaber des Karl-May-Verlages, der die Abenteuer-Romane des deutschen Schriftstellers Karl May (1842-1912) veröffentlicht.


Im Alter von 15 Jahren gewann er die Dresdner Schach-Meisterschaft und 1948 belegte er den vierten Platz anlässlich der deutschen Meisterschaft in Essen, im folgenden Jahr wurde er Dritter.

1951 erreichte er den Internationalen Meister Status und wurde im Jahre 1959 zum Großmeister ernannt.
Lothar Schmid spielte für die Bundesrepublik Deutschland bei 11 Schacholympiaden, gewann vier einzelne Silbermedaillen (1950, 1952, 1968 und 1970) und zwei Team-Bronzemedaillen (1950 und 1964).


Aber seine beste Leistung als Spieler war wahrscheinlich das internationale Turnier in Bamberg im Jahr 1968, als er sich den zweiten Platz mit dem amtierenden Weltmeister Tigran Petrosjan hinter dem estnischen Paul Keres teilte.

 

100 Jahre Schachclub 1868 Bamberg

Zu seinem hundertjährigen Jubiläum richtete der Schachclub 1868 Bamberg im Bamberger Bootshaus vom 11. – 28. April 1968 ein hochkarätig besetzes Turnier aus.

Endstand

1 Paul Keres 12,0
2 Tigran Petrosian 10,0
3 Lothar Schmid 10,0
4 Rudolf Teschner 9,5
5 Wolfgang Unzicker 9,5
6 Borislav Ivkov 9,0
7 Heikki Westerinen 8,5
8 Jan Hein Donner 8,0
9 Helmut Pfleger 7,5
10 Milko Bobotsov 7,0
11 Hans-Günther Kestler 6,0
12 Laszlo Szabo 5,5
13 Andreas Dückstein 5,5
14 Jürgen Teufel 4,5
15 Klaus Klundt 4,0
16 Roman Toran Albero 3,5


Als Spitzen-Spieler im Fernschach gewann er die erste deutsche Fernschach-Meisterschaft (1950-1952) und das erste Eduard Dyckhoff Memorial (1954-1956).

Bei der Fernschach-Weltmeisterschaft 1956-59 wurde er Vize-Weltmeister.

 

LotharSchmid-5                               

Foto: chessbase.de

Lothar Schmid, geboren 10. Mai 1928, starb 18. Mai 2013

Quelle: telegraph.co.uk

 

Sitges (Barcelona), im Mai 2013


 
 

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Donnerstag, 16. Mai 2013

Efim Geller – der Gigantenschreck 3. und letzter Teil

 
 

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über Schach und Kultur von Frank Mayer am 16.05.13

         

 Geller3-1

                      

Gemalt von Elke Rehder

 

Botwinnik sagte über Geller: "Vor Geller verstanden wir nicht richtig die Konzepte des Königsinders."

Geller blieb bescheiden und anerkannte, dass Bronsteins Arbeit im Königsinder genialer als seine wäre; ein guter Beweis besteht darin, dass er sein Buch über diese Eröffnung einem bekannten Schachkollegen mit der Widmung überreichte:

 

"Für einen alten Freund in Dankbarkeit für die kreativen Ideen, die mich einst zu den Anhängern der Königsindischen Verteidigung führte; jetzt habe ich dieses teilweise unvollständige Buch geschrieben."

 

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Geller war auch ein Schachtrainer, arbeitete zusammen mit den  Weltmeistern wie Botwinnik, Spasski, Petrosjan, Karpov und Kasparov.

 

Er spielte bis ein paar Jahre vor seinem Tod noch Schach, wobei er bei dem Veteranen Weltcup 1991 (nach Wassili Smyslow) den 2. Rang erzielte.

 

Im folgenden Jahr gelang es ihm aber, diesen Titel mit 8,5 aus 11 Punkten zu gewinnen. Schließlich wurde er doch Weltmeister, obwohl es „nur" in der Kategorie der Veteranen war.

 

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Efim Geller 1992

Foto: blog.antoniogude.com
Während seiner Jugend wurde er von den Spielern der Romantik beeinflusst; diese Tatsache fand man stets in seinem Spiel wieder, d.h. auf der Suche, die Position zu komplizieren und die Partien so schön wie möglich zu beenden.

 

Diese Angriffslustigkeit behielt er im Grunde während seiner gesamten Laufbahn bei, so dass wir von ihm immer wieder herrliche Kombinationen und kostbare Angriffspartien finden können.

 

David Bronstein beschreibt das Spiel Geller's mit schönen Worten:

 

Geller3-4

 

Foto: telegraph.co.uk

 

"Nach der Theorie muss Weiss als Anziehender versuchen, Vorteile zu erlangen und Schwarz den Ausgleich finden. Aber Efim Geller – nach seinen Partien zu urteilen -  war stets der Ansicht, dass er, sei es nun mit Weiss oder Schwarz, immer die Initiave übernehmen sollte. Er hat eine bemerkenswerte Fähigkeit, vollen Nutzen aus der Eröffnung oder Verteidung zu schöpfen und ist jederzeit bereit,  kombinatorische Systeme aufzubauen, um in ein offenes Spiel zu kommen bzw. umgekehrt: so sind die Eigenschaften seiner Partien."

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Sein Statistik der offiziellen Spiele (1947-1995): 873 Siege (37,16%), 1.135 Remise (48,32%)  341 Niederlagen (14,52 %) mit einem score von 61,32 %.

 

Gellers beste historische Elozahl betrug 2765. Diese erreichte er im August 1963. Im gleichen Jahr lag er zeitweilig auf Platz 2 der Weltrangliste.

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Nachstehend eine brillante Partie von Efim Geller aus dem Jahre 1968, in der sich die Kriterien wiederspiegeln, die wir vorstehend beleuchtet haben:

 

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MN Hebert Pérez García aus Holland

 

EFIM GELLER vs Z. MIKADZE

 

GORI (Karseladze Memorial) 1968

 

Diese Partie wurde von GM Efim Geller selbst ausgewählt für sein biographisches Buch "The Aplication of Chess Theory", Pergamon Press, 1984:

 

 

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Geller, Efim – Mikadze,Z [A34]

Gori Karseladze Memorial Gori, 1968

 

1. Sf3 Cf6 2. c4 c5 3.Sc3 d5 4.cxd5 Sxd5 5.g3 Sc6

6. Lg2 Sc7 [ Eine in die Meisterpraxis eingeführte Variante von GM Akiva Rubinstein und populär gemacht von GM Mikhail Botwinnik.]

 

7. 0–0 e5

 

8. b3 [Bekannt ist die Variante: 8.d3 Le7 9.Sd2 Ld7 10.Sc4 f6 11.f4 b5 12.Se3 Tc8 13.a4 b4 14.Sb5 exf4 15.Sxc7+ Txc7 16.gxf4 Le6 usw., Hjartarson - Andrei Sokolov Rotterdam 1988]

 

8…Le6?! [ Gemäss des Kommentares von GM Efim Geller ist der Textzug nicht richtig. Bessere Optionen sind: 8...Le7 9.Lb2 Lg4

(oder auch 9...0–0 10.Tc1 f6 11.Se1 Lf5 Kirillov - Botwinnik USSR 1931) 10.Tc1 Sa6 11.h3 Korchnoi - Gipslis Moskau 1966]

 

9. Lb2 Tc8 10.Tc1 f6

 

11. e3! [Bereitet einen starken Durchbruch im Zentrum auf dem Feld "d4" vor.]

 

11.. c4?! [Vielleicht war es besser, den weissen Plan mit 11..Dd3!? zu erschweren.]

 

12. De2! [Mit seinem typisch dynamischen Stil zeigt uns Geller ein bemerkenswertes Beispiel, wie man die Initiative zur Geltung bringt.]

 

12….Sb4 [Wahrscheinlich war es genauer wie folgt zu spielen:12...cxb3 13. axb3 (13.d4 e4 14.Sh4! Lb4!? (14...g5 15.d5 Sxd5 16.Sxd5 Axd5 17.Tfd1+–) 15.axb3) 13...Dd7 14.d4]

 

13. Se1 cxb3 14.axb3 Sc6? [Nach diesem Fehlzug wird der weisse Angriff entscheidend. Man hätte mit 14...Le7!? fortsetzen müssen und wenn 15.Axb7 Tb8 usw.]

 

15. Sf3 [Auch wäre die Variante in Betracht zu ziehen 15.d4!? exd4 16.exd4 Sxd4 17.De3± usw.]

 

15…Le7 16.d4 0–0 17. dxe5 fxe5 18.Se4 Lxb3 19.Sxe5 Ld5 20. Dg4! Ae6

 

Geller3-8
 

21. Dxg7+!

[Der Schlüssel einer "petite combinaison", perfekt geplant von GM Efim Geller]

 

22.. Kxg7 22.Sxc6+ Lf6 23.Sxd8 Lxb2 und Schwarz gibt

auf, ohne auf den Gewinnzug von Weiss mit  24.Txc7+! zu warten:

1–0

 

 

Eine brillante und unvergessliche Partie von EFIM GELLER !

 

Zum Nachspielen:

 

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1049403

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Foto seiner letzten Ruhestätte:

 

Geller3-7

 

Friedhof Peredelkinskoe, Moskau

courtesy Rob Bijpost, Holland

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Quellen: ajedrezdeataque.com und  chessgames.com

 

Sitges (Barcelona), im Mai 2013


 
 

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Donnerstag, 9. Mai 2013

Efim Geller – der Gigantenschreck 2.Teil

 
 

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über Schach und Kultur von Frank Mayer am 09.05.13

EfimGelle2-1          

Foto: wikipedia.org

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Sie können seine Ergebnisse gemäss beigefügter Aufstellung bewerten:

 

Enhält alle Turniere, bei denen Efim Geller gute Ergebnisse erzielen konnte:

EfimGelle2-9

 

Einzelmatchs:

EfimGelle2-10

 

Gellers Teilnahme an den Schacholympiaden und als Mannschaftsmitglied der Sowjet Union:

 

MEN'S CHESS OLYMPIADS

 
EfimGelle2-12

 

Zum Vergrössern, bitte draufklicken.

Im Jahr 1962 schaffte er wohl seine beste Leistung in einem Kandidaten-Turnier, das in Curaçao abgehalten wurde, wobei er auf den 2. bzw. 3. Platz kam,  nur einen halben Punkt hinter dem Sieger, Tigran Petrosjan. Der Wettbewerb in diesem Turnier hatte ein aussergewöhnlich hohes Niveau, wie man aus der  Tabelle des Turniers entnehmen kann:

Kandidatenturnier- Curaçao 1962

Mikhail Tal musste wegen starken Nierenproblemen (schon während des ganzen Turnieres) ins Krankenhaus und trat somit in der letzten Runde nicht mehr an.

 

EfimGelle2-2

 

Vorstehend ein Foto des Besuches von Bobby Fischer bei Mikhail Tal im Krankenhaus.

 

Bild: worlchesslinks.net

 
EfimGelle2-11

Zum Vergrössern, bitte draufklicken.

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Turnier in Curaçao

Foto: chessworld.com
Die Überschrift dieses Artikels ergab sich aus seinen Begegnungen mit den Weltmeistern, wobei Efim Geller gegen fast alle Weltmeister seiner Zeit ein positives Ergebnis hatte:

Mikhail Botwinnik (+4, =5, -1), Wassili Smyslow (+ 11, =31, -7), Bobby Fischer (+5, =2, -3) und Tigran Petrosjan (+6, =33, -2).

Es schien, dass er gegen solche Weltklassspieler über sich hinaus wuchs und sie durch seinen aggressiven Stil fast „erstickte".
Wie ich am Anfang dieses Artikels erwähnte, brachte Efim Geller viele seiner Ideen in verschiedenen Öffnungen ein: wie die Altindische Verteidigung

 

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Ruy Lopez, Damengambit,  Sizilianer und vor allem im Königsinder.

 

Es war in der letzten Runde in Curaçao, wo Efim Geller erneut erwies ein Meister der Eröffnungen und Verteidigungen zu sein, und somit kam auch die Königsindische Verteidung wieder in Mode.

 

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Foto: amazon.com

Die von ihm neuen eingeführten Konzepte in dieser Verteidung wurden so stark, dass weder der Weltmeister Botwinnik in der Lage war, sie zu bewältigen.

 

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Fortsetzung folgt im 3. und letzten Teil.

Sitges (Barcelona), im Mai 2013


 
 

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Mittwoch, 8. Mai 2013

Efim Geller – der Gigantenschreck – 1.Teil

 
 

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via Schach und Kultur by Frank Mayer on 02.05.13

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Foto: chessgames.com

von Javier Cordero Fernández

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Efim Petrovich Geller wurde am 8. März 1925 in Odessa (Ukraine) geboren. Er starb am 17. November 1998 in Moskau.
Ich persönlich hielt ihn nicht für einen Angriffsspieler, doch eine Bemerkung von Kasparov in einem seiner Bücher weckte meine Neugier.

Kasparov lobte Gellers kombinatorische Kraft und dies veranlasste mich, eine Serie von seinen Partien durchzuspielen; zu meiner Überraschung, traf ich auf wirkliche Edelsteine. Ich befasste mich schnell mit dem Thema, indem ich mehrere Schachbücher durcharbeitete, um dann diesen Artikel schreiben zu können.
Efim Geller ist eine Legende des Schachs, es fehlte ihm nur noch der Weltmeistertitel, um ihn besser kennen zu lernen.

Die sowjetischen Spieler dominierten die Schachwelt für Jahrzehnte. Sie boten große Fortschritte in der Theorie und waren wesentliche Impulsgeber dieses Spiels; einer ihrer Hauptvertreter war Geller, dessen Beiträge zur Theorie noch heutig gültig sind.
Die Ukraine war seit jeher die Wiege der großen Spieler.  In ihren Städten müssen sicher viele Gelegenheiten existieren, wo man spielen kann und dieses Umfeld begünstigt die Entwicklung der jungen Spieler. Dies geschah auch mit dem jungen Efim Geller, der rasch bekannt wurde, besonders durch seine Fähigkeit, die Initiative zu erspielen und günstige Stellungen aufzubauen, gegen die seine Rivalen keine Mittel mehr fanden.

 

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gemalt von Elke Rehder

 

Im Jahr 1949 hatte er sein erstes ernsthaftes Engagement: das Halbfinale der UdSSR-Meisterschaft. Wie erwartet enttäuschte er seine Anhänger nicht und belegte den ersten Platz, der ihm den „Reisepass" zum Finale gewährte, bei dem alle grossen Figuren des Landes wie Smyslov, Bronstein, Keres, Petrosjan auf ihn warteten.

 

Seine Leistung im Finale war elektrisierend; er wurde zur Sensation, als er den dritten Platz erzielte.

 

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Foto: inforchess.com

 

 

Auch begeisterte sein offensives Spiel die anwesenden Schachfreunde. Vor der letzten Runde führte Efim Geller  mit einem halben Punkt Vorsprung die Tabelle an, aber sein Mangel an Erfahrung auf diesem hohen Niveau zollte seinen Tribut. Er wurde in der letzten Partie vor Ratmir Kholmov besiegt, weil er zu risikoreich spielte.

Trotzallem wurde Geller von allen Experten gelobt; unter anderem sagte Grigory Levenfish:

 

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Foto: Levenfish.blogspot.com

 

"In der Geschichte der sowjetischen Turniere ist es sehr selten, ein Beispiel wie Efim Geller zu finden, der so herrliche und zahlreiche Partien auf das Brett zaubert mit einem bemerkenswerten Talent für das taktische positionelle Verständnis, hervorragende Technik im Endspiel, verbunden mit voller Energie und Dynamik. Er hat sicherlich eine große Zukunft vor sich."

So wie sich Levenfish äusserte, war Geller ein Spieler, der alle Phasen des Spiels beherrschte. Man kann ihn in den Rahmen „eines universellen Stiles" eingliedern, das will heissen, dass er sich so auf einen Gegener einstellen konnte, wie es notwenig war, um sein Gegenüber zu schlagen. Es gab nur wenige solcher Spieler in der Geschichte, die auf verschiedene Arten eine Partie angehen konnten, wie die Umstände es erforderten.

 (Capablanca ist ein gutes Beispiel für diese Art von universellen Spielern).
Geller bestätigte die Vorhersagen der Experten, sich für das Kandidaten-Turnier zu qualifizieren, als er 1952  den 4. Platz bei dem Interzonenturnier belegte.

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EfimGeller-5

 

Foto: xadreszana.webs.com

Im Laufe seiner Karriere wurde es fast schon zur Gewohnheit, denn er war an sämtlichen Kandidatenturnieren von 1953-1971 beteiligt. Bei diesen Turnieren hatte er aber leider nicht viel Glück und somit blieb ihm ein Kampf um den WM-Titel versagt.
Im Jahr 1953 wurde er in die Auswahl der UdSSR berufen und gab sein Debut bei der Schachloympiade in Helsinki. Seine Leistung war hervorragend: 10,5 Punkte aus 14 Partien.

 

1955 konnte er seinen ersten großen Sieg verbuchen:

Er gewann die UdSSR-Meisterschaft (gleichauf mit Smyslov), in einem allgemein ausgeglichenen Turnier, wobei sich beide Spieler als sehr konstant zeigten. Geller gewann aber im Tie-Break 4-3, wie man gut aus der Tabelle des Turnieres  entnehmen kann.

 

                      UdSSR – Meisterschaft 1955

EfimGeller-7
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Play Off:

EfimGeller-8

 

 

Er wiederholte den Sieg 1979 im Alter von 54 Jahren vor Spielern wie Gary Kasparov oder Arthur Jusupow.
In den folgenden Jahren erzielte Geller weitere gute Ergebnisse, indem er noch mehr Trophäen sammelte zu seinen bereits errungenen während seiner langen Laufbahn.

Bei den jeweiligen Meisterschaften der Ukraine hatte er keine Rivalen, die ihm das Wasser reichen konnten und erzielte bei fast jeder Ausgabe die Meisterschaft, nachdem er in seine Heimat zurückgekehrt war.

 

EfimGeller-6

 

Foto: entrenadorajedrez.blospot.com

 

 

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Fortsetzung folgt.

 

Sitges (Barcelona), im Mai 2013

 


 
 

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