Schach Praline Pos1

Schach Praline Pos1
Kann Weiß gewinnen ???

Samstag, 28. April 2012

Schach-Poesie

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 27.04.12

 

                                            

"Das Königreich des Schachs" gemalt von Carlos Orduña Barrera

 

 

von  Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

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Die Ruhe und das Schweigen der Verbündeten

 

machten aus der Wissenschaft ein schönes Spiel,

 

Menschen mit umsichtigen Handbewegungen

 

die Augen zum Himmel gerichtet.

 

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"Schachspieler" gemalt von Eakins Thomas (1844-1916)

 

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Das Holz schuf das richtige Umfeld,

 

an den Tischen, den Figuren und dem Schachbrett,

 

wieder an den Wänden und auf dem Boden

 

Schauplatz  eines wahrhaften Vorbildes.

 

 

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*"Ein heiliges Spiel" gemalt von George Goodwin Kilburne

 

 

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Angeregt durch die Kunst und die Schönheit,

 

näherte ich mich eines Tages dem Schach

 

davon überzeugt, dass ich ein Zusammenspiel von

 

Schönheit,  Erregungen und Freude traf.

 

 

                                    

 "Schach" gemalt von de Favén Antti

 

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Sitges (Barcelona), im April 2012



 
 

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Dienstag, 24. April 2012

Der alte Mann und das Schach

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 19.04.12

 

                                                 

             GM Andor Lilienthal 1992

 

  Foto: chessbase.de

 

 

von ÖMK Dr. Paul Meyer, Österreich

 

ergänzt und illustriert von Frank Mayer

 

 

GM Andor Arnoldovich Lilienthal hat gegen zehn Schach-Weltmeister gespielt und die Hälfte (!) davon geschlagen.

 

Von seinen Siegen gegen die Legenden Dr. Emanuel Lasker, José Raúl Capablanca,  Dr. Alexander Aljechin und Vera Menchik berichtete der Ungar besonders gern.

 

Aber auch Dr. Mikhail Botwinnik und Wassily Smyslow mussten ihm die Hand zur Aufgabe reichen.

 

Am 05.05 2010 feierte der Budapester noch seinen 99. Geburtstag – drei Tage später – am 08.05.2010 – starb er.

 

 

                       

 

Foto: gde-pohoronit.rugde.porohonit.ru

 

 

Dies geschah während der laufenden Schach-WM zwischen Viswanathan Anand und Wesselin Topalow in Sofia, wo man den unterhaltsamen Grandseigneur mit einer Gedenkminute würdigte.

Andor Lilienthal kam als Sohn einer ungarischen Sängerin und eines russischen Elektroingenieurs am 05.05.1911 in Moskau zur Welt. Seine Mutter hatte auf einer Moskauer Bühne zu dieser Zeit gerade ein Engagement als Sängerin. Sie kehrte mit ihren drei Kindern im Jahre 1913 nach Budapest zurück, der Vater blieb in Russland. Weil die Mutter krankheitsbedingt ihre Stimme verlor, verarmte die Familie und wuchs der junge Andor in einem Kinderheim bei staatlicher Pflege auf.

Er absolvierte eine Schneiderlehre, fand jedoch keine Anstellung. So erlernte er als 15- jähriger ausgebildeter Schneider das Schachspiel

 

                         

 

Foto: chessbase.de

 

 

und trieb sich in diversen Budapester Cafés herum, wo er um Geld zockte. Mit den Gewinnen bei Schach- Duellen hielt er sich über Wasser und machte zunehmend von sich Reden.

 

In Paris 1930 erhielt er eine erste Einladung zu einem internationalen Turnier und schlug sich mit 4:3 Punkten als geteilter Vierter achtbar.

 

Siehe Tabelle:

 

Paris 1930

 

Zum Vergrössern bitte draufklicken.

 

Rasch stieg Lilienthal zu einem der stärksten Spieler auf der Welt und rangierte sogar gemäß der historischen Weltrangliste im Jahre 1934 auf dem sechsten (!) Platz, wobei seine historisch höchste ELO- Zahl 2710 betrug.

 

 

 

Im Jahre 1935 lernte er während des Moskauer Turniers seine künftige Frau Jewgenija kennen, heiratete sie und ließ sich in Moskau nieder. Er nahm sogar die sowjetische Staatsbürgerschaft an.

Seit 1937 nahm er an den Landesmeisterschaften der UdSSR teil, wurde 1938 quasi außer Konkurrenz Meister von Weißrussland, gewann 1940 die Moskauer Stadtmeisterschaft und teilte im selben Jahr sogar den ersten Platz bei der UdSSR- Meisterschaft (!) mit Igor Bondarevsky, gefolgt von dem späteren Weltmeister Smyslow.

 

Moscow, 12th USSR Championship 1940

zum Vergrössern bitte draufklicken!

 

                   

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Lilienthal auf der internationalen Schachbühne rarer, ließ jedoch 1948 mit seinem 5. Rang beim Interzonenturnier in Saltsjöbaden aufhorchen, wo er sich für das Kandidatenturnier in Budapest 1950 qualifizierte und dort den 8. Platz belegte.

 

Budapest Candidates 1950


 

zum Vergössern bitte draufklicken!
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Im selben Jahr erhielt der von der FIDE auf Grund seiner internationalen Erfolge als einer der ersten Spieler den Titel Großmeisters verliehen.
In der Folgezeit tat er sich vor allem als Trainer des späteren Weltmeisters Dr. Tigran Petrosjan hervor.

 

                             

 

 Foto: myschach.de

 

Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1976 kehrte der mittlerweile 65-Jährige in seine Heimat Ungarn zurück.

 

Wie schon 1935, als sich Lasker in Moskau aufhielt, half er auch Bobby Fischer im Jahre 1992 bei seinem Aufenthalt in Budapest.

 

 

                                  

 

 

Foto: ipc.digital.com

 

Das US-Genie, das Lilienthal für den stärksten Spieler aller Zeiten hielt, lebte auch einen Monat in seiner Wohnung.

 

Als 2001 in Berlin in Deutschland die Lasker- Gesellschaft gegründet wurde, war Andor Lilienthal als ältester noch lebender Großmeister der Welt ein gern gesehener Gast, der noch eigene Geschichten aus alter Zeit zu berichten wusste.

 

An seinem 85. Geburtstag erhielt er auf Grund seiner Verdienste um den Schachsport von FIDE- Präsident Kirsan Iljumschinow eine monatliche Pension in Höhe von 750 US-Dollar auf Lebenszeit zugesprochen. Damit konnte der Ungar in seinen letzten Jahrzehnten seinen Status als "lebende Schachlegende" voll auskosten, was ihn mit manchen Widrigkeiten zuvor versöhnt haben mag.

 

 

 

                    

 

Foto: chessbase.de


Unvergessen waren seine spektakulären Damenopfer. Wahrscheinlich existiert hier sogar so etwas wie eine seltene Duplizität der Fälle, wovon ich kurz berichten will: Als Einziger der beim Revanchekampf Fischer- Spasski im Jahre 1992 im Analyseraum versammelten Schachmeister fand Lilienthal ein verblüffendes (im Übrigen korrektes) Damenopfer. Für die Youngsters unter uns sei an dieser Stelle festgestellt, dass es zur damaligen Zeit keine Computer-Unterstützung  gegeben hat und noch jeder Spieler seine Züge selber finden musste!

 

Auch wenn es klischeehaft klingt: Lilienthal dürfte eine echte Schwäche im Spiel mit der Schachdame gehabt haben, denn sein toller "exf6!!- Sieg" – also das sensationelle Damenopfer gegen Capablanca – bleibt wohl unsterblich….

 

Nachstehend die entsprechende Partie  kommentiert

von Mikhail Botvinnik

 

 

Lilienthal, Andor – Capablanca, Jose Raúl [E24]

 

Hastings(5), 01.01.1935

 

1. d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 b6 6.f3 d5 7.Lg5 h6 8.Lh4 La6!? Solider ist 8…..Lb7

 

9. e4 Lxc4 10.Lxc4 dxc4 11.Da4+ Dd7 12.Dxc4 Dc6 13.Dd3 Sbd7 14.Se2 Td8 15.0–0 a5 Schwarz denkt wohl an a5-a4 und Eroberung des Felpes "b3" für seinen Springer.

 

 

16. Dc2 mit der Absicht 17. c4, was jetzt noch an Se5 gescheitert wäre.

 

…..Dc4! 17.f4 Tc8 18. f5! e5? Gerade das wollte Weiss provozieren.

 

 

19. dxe5 Dxe4:

Da 19….Se5: wegen 20. Lf6: und 21. Sf4 indiskutabel ist, hatte sich

Schwarz auf den Textzug verlassen, aber……

 

 

Diagramm

 

 

20. exf6!!  Das ist kein Donnerschlag mehr, sondern ein regelrechtes Erdbeben!

 

 

Dxc2: auch die Alternative 20….Dh4: 21 fg und Tf4 ist hoffnungslos.

 

21. fxg7 Tg8 22.Sd4 De4 angesichts der Mattdrohung erzwungen.

 

23.Tae1 Sc5 24.Txe4+ Sxe4 25.Te1 Txg7 26.Txe4+ 1-0

 

Diagramm

 

 

Endstellung

 

Zum Nachspielen:

 

 

1.      Lilienthal vs Capablanca      1-0     26     1935     Hastings      E24      Nimzo-Indian, Samisch


Das Teilnehmerfeld:

 

Copyright The IllustratedLondonNews 1935

 

 

Quelle: Schachklub Volksbank Lienz-Österreich

 

 

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Sitges (Barcelona), im April 2012



 
 

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Freitag, 13. April 2012

Ein weiser Rat

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 12.04.12

                           

 

               

Gemalt von Elke Rehder

 

Kommentiert und analysiert von NM Hebert Pérez García, Holland

 

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Text:

 

Gemäss Dr. Siegbert Tarrasch:


 

  "Steht eine Figur schlecht, steht es um die ganze Partie schlecht." 

(Quelle siehe unten) *

 

 

In seinem interessanten Buch "Der Inbegriff des Schachs"

 

Bild:      tiendadeajedrez.com

 

 

von GM Miodrag Todorcevic,

Foto: ajedreztenerife.blogspot.com

 

 

 

versieht er diese Aussage mit folgender Bemerkung: "Diese Bestätigung kann bei vielen Gelegenheiten helfen. Die Wahl eines Planes oder einfach einer Fortsetzung muss sich auf die Bewertung der verschiedenen Elemente einer Position stützen."

Um dieses Thema plastisch darzustellen, wählte Todorceciv verschiedene Beispiele aus der Meisterpraxis und unter ihnen ein Fragment einer berühmten Partie von Aaron Nimzowitsch.

       Aaron Nimzowitsch                -         Akiva Rubinstein

  

 


Dresden 1926

 

 

                                                     

Weiss zieht
 

1. Sh1!?+/=

[Weiss hat eine spürbare positionelle Überlegenheit dank der grösseren Aktivität, die der Läufer auf der Diagonale "a2-g8" ausübt, und der Beherrschung der Turmlinie "e". Ausserdem verfügt der Führer der weissen Steine über einen Vorteil in der Entwicklung und der schwarze König läuft die latente Gefahr, in seinem jetzigen "Unterschlupf" angegeriffen zu zu werden.

Gemäss unserer Meinung ist dieser Zug interessant und unterstützt vom Konzept her den lehrreichen Satz von Dr. Tarrasch, wobei noch zu beachten ist, dass der weisse Springer auf "g3" eine ungeeignete Position hat. Jetzt versucht er einen raschen Angriff mit dem Manöver, das ihn auf das Feld "g5" bringt über "f2" und "h3".

Andererseits mag die menschliche Logik anders sein als die konkreten Taktiken der modernen und starken elektronischen Programme, die folgender Variante: 1. a3 Ld7 2. b4 +/= usw. eine grössere Aufmerksamkeit schenken.

Wir geben zu, dass es schwierig ist, objektiv die Güte beider Ideen auf dem Brett zu bewerten.]

1…Ld7 2.Sf2 Tae8

[Nimzowitsch, der auf eine brillante Weise das Turnier von Dresden 1926 mit einem Ergebnis von 8,5 von 9 möglichen Punkten gewann und u.a. sich noch vor Dr. A. Aljechin platzierte, kommentierte diese Partie in seinem Buch "Mein System" und der Veröffentlichung des Turnierberichtes.

 

Schlusstabelle:

 Dresden

 

 

Seine Beurteilungen waren in einigen Passagen etwas oberflächlich, wobei er die Geschehnisse als "gegeben" darstellte.

Hierbei verzichtete er darauf, bessere defensive Züge für seinen Gegner zu empfehlen; somit war seine Betrachtung eher "parteiisch". Hier verdient der Zug 2…g6 und wenn 3. Sh3 dann h6 eine tiefere Betrachtung.]

3. Tfe1 [o 3.Txe8 Lxe8 (3...Txe8 4.Sh3 g6 5.Sg5 h6 6.Sf7+ Kh7 7.Dh3 Lf8 8.Dh4+/=) 4.Sh3 h6 5.Sg5 Sd8]

3…Txe2

4. Txe2 Sd8

[Nimzowitsch und viele Kommentatoren – von ihm beeinflusst – erwähnten die Schwäche des Zuges 4…Te8. Aber man unterliess, eine besser fundierte Option wie z. B.: 4...h6!? 5.Sh3 b5 6.Lb3 Lb4 usw. zu erwähnen.]

5. Sh3 Lc6

[Eine andere Möglichkeit war 5...b5 6.Lb3 h6 7.Sg5 a5 8.Dh5+/=]

6. Dh5+/= g6 [oder 6...Sf7 7.b4+/=]

7. Dh4 Kg7 8.Df2! Lc5

[Wenn 8...Db6 9.De1!? (9.b4 mit der Idee Lc3) schlug Nimzowitsch 9...Te8 HPG 10.Sg5+/= vor. ]

9.b4

[Vielleicht sind die Optionen 9.Te5!?; 9.De1!? doch stärker.]

9…Lb6?

[Nimzowitsch und andere Analysten sagten hierzu nichts, aber wir sollten darauf hinweisen, dass es notwendig war  9...Le7 10.Dxd4+ Lf6+/= zu spielen.]

10. Dh4

[10.De1!? scheint besser zu sein und wenn 10…Le4 11.Lb3! mit klarem Vorteil für Weiss.]

10…Te8 11.Te5 [oder auch 11.Txe8 Lxe8 12.Sg5 h6 13.Sf3 Dd6 14.De1+/=]

11…Sf7

[Wenn 11...h6, dann 12.a4 ! HPG (12.g4 mit entscheidendem Angriff, zitierte Nimzowitsch, aber er übersah die Verteidigung 12...Dd6 !? HPG 13.Dg3 (13.gxf5 gxf5 14.Kf2 Dg6 mit Gegenspiel für Schwarz) 13...fxg4 14.Sf2 mit ungewissem Spiel)

Wenn 12...Lxa4 (12...Sf7 13.b5! axb5 14.axb5 Txe5 15.fxe5 g5 16.Lxg5 hxg5 17.Sxg5 Ld5 18.Sxf7 Lxf7 19.Df6+ Kh7 20.Dxf7+ Dxf7 21.Lxf7+/-) 13.b5 Dd7 14.De1]

12. Lxf7 Dxf7

[Wenn 12...Txe5, würde folgen 13.Sg5! (13.fxe5 Dxf7 14.Sg5 Dg8 15.Se4 !? HPG (15.e6 Nimzowitsch 15...Ld8 ! HPG (15...Ld5 16.Dg3+- (16.Df4+-) ) 16.Dxd4+ Lf6 mit Gegenspiel für Schwarz] 5…Ld8 16.Lh6+ (16.Sf6 Kf7!+/=) 16…Kh8 17.Sg5+/=) ]

13. Sg5 Dg8 14.Txe8 Lxe8? [14...Dxe8 15.Dxh7+ Kf6 16.a4 mit weissem Vorteil] 15.De1!+- Lc6 [15...h5 16.De7+ Kh6 17.Dxb7+-] 16.De7+ Kh8 17.b5+- [17.Se6+-] 17…Dg7 18.Dxg7+ Kxg7 19.bxc6 bxc6

20. Sf3

[ Der Gewinn für Weiss ist unvermeidbar, der Rest ist einfache Technik.]

20…c5 21.Se5 Lc7 22.Sc4 Kf7 23.g3 Ld8 24.La5 Le7 25.Lc7 Ke6 26.Sb6 h6 27.h4 g5 28.h5 g4 29.Le5  und Schwarz gibt auf: 1-0

 

 

                                                 

Endstellung

 

Kommentar:

Im Laufe der Zeit wurde die Partie als ein klassischen Beispiel der Strategie eingestuft. Nimzowitsch wurde allerseits gelobt und diese Partie  als die beste des Turnieres bewertet.

Die Kritik akzeptierte "gefügsam" seine Kommentare ohne weitere Analysen.

 

Zum Nachspielen:

 

Nimzowitsch vs Rubinstein     1-0     46     1926    Dresden     A34 English, Symmetrical


Wir empfehlen, dass die Schachfreunde selbst Nachforschungen bezüglich dieses klassischen Modelles anstellen und demzufolge ihre eigenen Ansichten bilden.

Aber wohl das Wichtigste ist, dass wir uns an den weisen Rat erinnern, den der unvergessliche Theoretiker Dr. Siegbert Tarrasch aufstellte.

 

Zum Schluss das Familienfoto:

 

                                            Dresden 1926

Foto: rogerpaiges.com

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* Lt. Garri Kasparov (<Meine grossen Vorkämpfer Band I, Seite 162>)

Sitges (Barcelona), im April 2012


 
 

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Donnerstag, 5. April 2012

Esteban Canal – ein später Romantiker

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 05.04.12

********************************************************************************************************************************************                                *************************************************************************************** *Foto: skakistiko-kafeneio.blogspot.com ******************************************************************************************************************************************** Immer wieder hatten wir gehört, dass Dr. Savielly Tartakover „der romantischste Schachspieler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war". Aber wir entdeckten, dass der Peruaner Esteban Canal auch ein „Romantiker des Schachs" war; eine Art von Don Quijote, der seine Lanzen gegen die Windmühlen der Intrigen, Gleichgültigkeit und Böswilligkeit zerbrach. Vielleicht war seine Technik nicht so ausgefeilt wie die von Dr. Siegbert Tarrasch oder José Raúl Capablanca, aber seine Eingebung und sein Einfallsreichtum überschritten die theoretischen Grenzen seiner Epoche, in dem sie mit einer bizarren Färbung versehen wurden so, wie die eines Reiterheeres, das mit epischen Kräften die Routine der geschlossenen Stellung aufbrach. ********************************************************************************************************************** **************
Esteban Canal wurde am 19. April 1896 in Chiclayo (Peru) geboren. Er starb am 14. Februar 1981 in Varese (Italien).
Er verbrachte die Kindheit zunächst in seiner Heimat, zog dann im Alter von 13 Jahren mit seiner Familie nach Europa (Spanien und Frankreich). In diesen Ländern besuchte er weiter die Schule; ab 1914 studierte er Medizin in Deutschland, wo er auch seine erste Begegnung mit dem Schach hatte.  Esteban fing erst mit 18 Jahren an zu spielen. Dieses für einen Schachspieler vielleicht zu spätes Alter hinderte ihn sicher daran, einer höheres Spielniveau zu erreichen.
1923 zog er nach Italien und begann dort seine Schachkarriere mit dem Debüt bei dem Turnier in Triest, wo er sensationell den zweiten Platz vor Yates und Tarrasch belegte: 

 Triest


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Foto: caissaajedrez.com

Seine Auftritte waren recht sporadisch bei namhaften Turnieren, vielleicht auch bedingt durch finanzielle Schwierigkeiten, die ihn daran hinderten, in weiter entfernte Städte zu reisen, um dort an den Schachveranstaltungen teilzunehmen.

Viele Spieler aus jener Zeit pflegten einen Gönner zu haben, der die Reise- und Aufenthaltskosten übernahm. Die Spieler, die nicht finanziell gefördert wurden, mussten sich zwangsläufig auf wenige Turniere beschränken.

 

Nachstehend seine aufgezeichneten Ergebnisse:

Turniere von Esteban Canal

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ERGEBNIS EINZEL-MATCH

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Eine weitere Möglichkeit Geld zu verdienen, waren Simultanvorstellungen, die eine gute Werbung in der Öffentlichkeit boten,  um mit zu erleben, wie ein Grossmeister gegen eine hohe Zahl von Gegnern gleichzeitig in nur wenigen Stunden spielen konnte.

Bei einer dieser Simultanvorstellungen gelang es Esteban Canal, einer seiner spektakulärsten Partien seines Lebens zu spielen, eine kleine „peruanische Unsterblichkeit".

In nur 14 Zügen opferte er seine beiden Türme und die Dame, um seinen Gegner mit dem Boden-Matt zu schlagen.

 

(Das Boden-Matt ist eine spezielle Kombination im Schach, in welcher das Läuferpaar den König des Gegners nach einem effektvollen Opfer der Dame mattsetzt. Ihren Namen erhielt diese Kombination von Samuel Boden, einem englischen Schachspieler des 19. Jahrhunderts. Im deutschen Sprachgebrauch werden für diese klassische Mattwendung auch andere Bezeichnungen benutzt (darunter Kreuzmatt).

 

 

Canal   1 – N. N.   0 

 

Canal : Weiss                   N. N.   : Schwarz

Budapest  1934             

 

1. e4 / d5  2. exd5 / Dxd5  3. Sc3 / Da5  4. d4 / c6  5. Sf3 / Lg4  6. Lf4 / e6

7. h3 / Lxf3  8. Dxf3 / Lb4  9. Le2 / Sd7  10. a3 / 00-0  11. axb4 / Dxa1+

12. Kd2 / Dxh1  13. Dxc6+ / bxc6  14. Aa6++.

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nach 10……0-0-0 

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nach 12…Dxh1

 

Zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1264050

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Esteban Canal hatte auch eine beachtliche Fähigkeit im Blindspiel, bei dem er oft gegen 10 und mehr Gegner antrat.

Die meisten Partien wurden leider nicht aufgezeichnet.
Obwohl er in Italien als italienischer Spieler aufgeführt war,  spielte er stets unter peruanischer Flagge,

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eine Gepflogenheit, die ihn mit besonderem Stolz erfüllte.

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Esteban Canal:  3. Reihe stehend

Bitte, draufklicken um zu vergrössern.

Foto:  rogerpaiges.com

 

Seine Spielweise konnte nur ein Wort verstehen: ANGRIFF.

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Gemalt von Elke Rehder

 

Er ging gegen den Trend der Zeit und spielte ein Schach voller Risiken und wunderschönen Kombinationen.

 

Seine Spielweise definierte er recht sonderbar: "Bei meinen Partien stürze ich mich aus dem Fenster und erst am Ende erfahre ich, ob ich mit den Füssen aufkomme."

 

Seine taktischen Schläge nannte er "das Gift".

Das waren selten gespielte Züge oder Varianten, die die Position des Gegners nach und nach zermürbten.  Er hat uns eine Anzahl von Angriffspartien hinterlassen, die ihm einen Stammplatz in der Reihe der „romantischen" Spieler gesichert haben.

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Geschrieben und aufgelegt 1948 von Esteban Canal

 

Ein weiterer Beitrag zur Theorie der Eröffnungen bestätigt die nach ihm benannte Variante in der Italienischen Eröffnung.

 

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Er erwarb den Titel „Internationaler Meister" im Jahre 1950 und den des "Grossmeisters" 1977

(der ihm als Anerkennung für sein schachliches Lebenswerk im Alter von 81 verliehen wurde).

Seinerzeit war er der erste peruanische Spieler in der Geschichte seines Landes, der diese Würdigung erhielt.

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Foto: storiascacchi.altervista.org
Sein Leben in Europa war jedoch nicht so angenehm, wie er erwartet hatte.

Die Sehnsucht nach seiner Heimat und das Anbrechen neuer Zeiten machten ihn irgendwie unglücklich.

Wir dürfen hierbei nicht vergessen, dass in der Seele von Esteban Canal zwei völlig verschiedene Epochen wetteiferten: sowohl der Anfang des vorigen Jahrhunderts als auch der 2. Weltkrieg mit seinen Folgen.

Als Esteban Canal anfing zu spielen, befand er sich in der „Zeit der Gentlemen", die sich vor allem auszeichnete, seinem Gegenüber höflich und respektvoll gegenüberzutreten.

 

Diese Verhaltensweise änderte sich im Laufe der Zeit, etwas, das er nicht ertragen konnte.

Er fühlte sich als Fremder unter der neuen Generation von Meistern, die sich ganz anders verhielten (im negativen Sinn) als ihre Vorgänger. Seine Enttäuschung wuchs im Laufe der Jahre, unter anderem aufgrund der Entstehung von Verbänden, Organisationen und politschen Einflüssen, die seiner Meinung nach nicht die Schachspieler förderten, sondern eher ihre eigenen Interessen.

Angesichts dieser Verhältnisse distanzierte sich Esteban Canal fast vollständig vom Schach.

 

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Als Abschied führen wir noch eine Beispiel- Partie auf, die sichtlich „das Gift" des peruanischen Romantikers in sich trug:

 

E Canal vs P F Johner     1-0    30    1923    Trieste (Italy)     C56 Two Knights

 


Seine höchste historische Elo-Zahl lag bei 2.675 Punkten.

 

Anmerkung:

Anlässlich seines Turniersieges 1933 in Budapest

vor Andor Lilienthal, Lajos Steiner und Erich Eliskases äusserte sich der damalige Weltmeister Alexander Aljechin wie folgt:

"Esteban Canal befindet sich ohne Zweifel unter den genialsten Meistern aller Zeiten. Wenn er zwar nicht die Sonne ist, dann aber eine Kerze. Er brennt immer… die Jüngeren werden gut daran tun, seine Partien mit Aufmerksamkeit zu analysieren."

 

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Nachstehend ein Foto seiner ewigen Ruhestätte

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        Grabstätte mit seiner Frau Anna Klupacs in Cocquio Trevisago, Italien

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Foto: Luca D'Ambrosio (Bolzano, Italy)

 

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Quellen: Javier Fernandez Cordero und Arqto. Roberto Pagura

 

Sitges (Barcelona), im April 2012


 
 

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