Schach Praline Pos1

Schach Praline Pos1
Kann Weiß gewinnen ???

Freitag, 13. April 2012

Ein weiser Rat

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 12.04.12

                           

 

               

Gemalt von Elke Rehder

 

Kommentiert und analysiert von NM Hebert Pérez García, Holland

 

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Text:

 

Gemäss Dr. Siegbert Tarrasch:


 

  "Steht eine Figur schlecht, steht es um die ganze Partie schlecht." 

(Quelle siehe unten) *

 

 

In seinem interessanten Buch "Der Inbegriff des Schachs"

 

Bild:      tiendadeajedrez.com

 

 

von GM Miodrag Todorcevic,

Foto: ajedreztenerife.blogspot.com

 

 

 

versieht er diese Aussage mit folgender Bemerkung: "Diese Bestätigung kann bei vielen Gelegenheiten helfen. Die Wahl eines Planes oder einfach einer Fortsetzung muss sich auf die Bewertung der verschiedenen Elemente einer Position stützen."

Um dieses Thema plastisch darzustellen, wählte Todorceciv verschiedene Beispiele aus der Meisterpraxis und unter ihnen ein Fragment einer berühmten Partie von Aaron Nimzowitsch.

       Aaron Nimzowitsch                -         Akiva Rubinstein

  

 


Dresden 1926

 

 

                                                     

Weiss zieht
 

1. Sh1!?+/=

[Weiss hat eine spürbare positionelle Überlegenheit dank der grösseren Aktivität, die der Läufer auf der Diagonale "a2-g8" ausübt, und der Beherrschung der Turmlinie "e". Ausserdem verfügt der Führer der weissen Steine über einen Vorteil in der Entwicklung und der schwarze König läuft die latente Gefahr, in seinem jetzigen "Unterschlupf" angegeriffen zu zu werden.

Gemäss unserer Meinung ist dieser Zug interessant und unterstützt vom Konzept her den lehrreichen Satz von Dr. Tarrasch, wobei noch zu beachten ist, dass der weisse Springer auf "g3" eine ungeeignete Position hat. Jetzt versucht er einen raschen Angriff mit dem Manöver, das ihn auf das Feld "g5" bringt über "f2" und "h3".

Andererseits mag die menschliche Logik anders sein als die konkreten Taktiken der modernen und starken elektronischen Programme, die folgender Variante: 1. a3 Ld7 2. b4 +/= usw. eine grössere Aufmerksamkeit schenken.

Wir geben zu, dass es schwierig ist, objektiv die Güte beider Ideen auf dem Brett zu bewerten.]

1…Ld7 2.Sf2 Tae8

[Nimzowitsch, der auf eine brillante Weise das Turnier von Dresden 1926 mit einem Ergebnis von 8,5 von 9 möglichen Punkten gewann und u.a. sich noch vor Dr. A. Aljechin platzierte, kommentierte diese Partie in seinem Buch "Mein System" und der Veröffentlichung des Turnierberichtes.

 

Schlusstabelle:

 Dresden

 

 

Seine Beurteilungen waren in einigen Passagen etwas oberflächlich, wobei er die Geschehnisse als "gegeben" darstellte.

Hierbei verzichtete er darauf, bessere defensive Züge für seinen Gegner zu empfehlen; somit war seine Betrachtung eher "parteiisch". Hier verdient der Zug 2…g6 und wenn 3. Sh3 dann h6 eine tiefere Betrachtung.]

3. Tfe1 [o 3.Txe8 Lxe8 (3...Txe8 4.Sh3 g6 5.Sg5 h6 6.Sf7+ Kh7 7.Dh3 Lf8 8.Dh4+/=) 4.Sh3 h6 5.Sg5 Sd8]

3…Txe2

4. Txe2 Sd8

[Nimzowitsch und viele Kommentatoren – von ihm beeinflusst – erwähnten die Schwäche des Zuges 4…Te8. Aber man unterliess, eine besser fundierte Option wie z. B.: 4...h6!? 5.Sh3 b5 6.Lb3 Lb4 usw. zu erwähnen.]

5. Sh3 Lc6

[Eine andere Möglichkeit war 5...b5 6.Lb3 h6 7.Sg5 a5 8.Dh5+/=]

6. Dh5+/= g6 [oder 6...Sf7 7.b4+/=]

7. Dh4 Kg7 8.Df2! Lc5

[Wenn 8...Db6 9.De1!? (9.b4 mit der Idee Lc3) schlug Nimzowitsch 9...Te8 HPG 10.Sg5+/= vor. ]

9.b4

[Vielleicht sind die Optionen 9.Te5!?; 9.De1!? doch stärker.]

9…Lb6?

[Nimzowitsch und andere Analysten sagten hierzu nichts, aber wir sollten darauf hinweisen, dass es notwendig war  9...Le7 10.Dxd4+ Lf6+/= zu spielen.]

10. Dh4

[10.De1!? scheint besser zu sein und wenn 10…Le4 11.Lb3! mit klarem Vorteil für Weiss.]

10…Te8 11.Te5 [oder auch 11.Txe8 Lxe8 12.Sg5 h6 13.Sf3 Dd6 14.De1+/=]

11…Sf7

[Wenn 11...h6, dann 12.a4 ! HPG (12.g4 mit entscheidendem Angriff, zitierte Nimzowitsch, aber er übersah die Verteidigung 12...Dd6 !? HPG 13.Dg3 (13.gxf5 gxf5 14.Kf2 Dg6 mit Gegenspiel für Schwarz) 13...fxg4 14.Sf2 mit ungewissem Spiel)

Wenn 12...Lxa4 (12...Sf7 13.b5! axb5 14.axb5 Txe5 15.fxe5 g5 16.Lxg5 hxg5 17.Sxg5 Ld5 18.Sxf7 Lxf7 19.Df6+ Kh7 20.Dxf7+ Dxf7 21.Lxf7+/-) 13.b5 Dd7 14.De1]

12. Lxf7 Dxf7

[Wenn 12...Txe5, würde folgen 13.Sg5! (13.fxe5 Dxf7 14.Sg5 Dg8 15.Se4 !? HPG (15.e6 Nimzowitsch 15...Ld8 ! HPG (15...Ld5 16.Dg3+- (16.Df4+-) ) 16.Dxd4+ Lf6 mit Gegenspiel für Schwarz] 5…Ld8 16.Lh6+ (16.Sf6 Kf7!+/=) 16…Kh8 17.Sg5+/=) ]

13. Sg5 Dg8 14.Txe8 Lxe8? [14...Dxe8 15.Dxh7+ Kf6 16.a4 mit weissem Vorteil] 15.De1!+- Lc6 [15...h5 16.De7+ Kh6 17.Dxb7+-] 16.De7+ Kh8 17.b5+- [17.Se6+-] 17…Dg7 18.Dxg7+ Kxg7 19.bxc6 bxc6

20. Sf3

[ Der Gewinn für Weiss ist unvermeidbar, der Rest ist einfache Technik.]

20…c5 21.Se5 Lc7 22.Sc4 Kf7 23.g3 Ld8 24.La5 Le7 25.Lc7 Ke6 26.Sb6 h6 27.h4 g5 28.h5 g4 29.Le5  und Schwarz gibt auf: 1-0

 

 

                                                 

Endstellung

 

Kommentar:

Im Laufe der Zeit wurde die Partie als ein klassischen Beispiel der Strategie eingestuft. Nimzowitsch wurde allerseits gelobt und diese Partie  als die beste des Turnieres bewertet.

Die Kritik akzeptierte "gefügsam" seine Kommentare ohne weitere Analysen.

 

Zum Nachspielen:

 

Nimzowitsch vs Rubinstein     1-0     46     1926    Dresden     A34 English, Symmetrical


Wir empfehlen, dass die Schachfreunde selbst Nachforschungen bezüglich dieses klassischen Modelles anstellen und demzufolge ihre eigenen Ansichten bilden.

Aber wohl das Wichtigste ist, dass wir uns an den weisen Rat erinnern, den der unvergessliche Theoretiker Dr. Siegbert Tarrasch aufstellte.

 

Zum Schluss das Familienfoto:

 

                                            Dresden 1926

Foto: rogerpaiges.com

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* Lt. Garri Kasparov (<Meine grossen Vorkämpfer Band I, Seite 162>)

Sitges (Barcelona), im April 2012


 
 

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