Schach Praline Pos1

Schach Praline Pos1
Kann Weiß gewinnen ???

Freitag, 11. Mai 2012

Die neo-romantische Epoche – die hypermoderne Schachpartie

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 10.05.12


gemalt von P.H. Andreis – Chess
(19th Century).
Cavaliers Playing Chess

von Javier Fernandez Cordero

Und unter der positionellen „Finsternis", in die Dr. Tarrasch

 

 

   das Schach tauchen wollte, entstand ein

Licht voller Kombinationen…"Die hypermoderne Schachpartie".

Wir befinden uns am Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts; die romantischen Spieler sind durch die Theoretiker wie Steinitz und Tarrasch in das Königsreich des Schachs verbannt worden. Prinzipien werden nun durchgesetzt, wo Ruhe und taktische Stille vorherrschen.

(Nach der Meinung einiger, ist es die Langeweile, die überwiegt).

Dr. Tarrasch hatte eine echte Fangemeinde. Seine Ideen waren nichts anderes als eine Verfeinerung des Vermächtnisses von Steinitz. Vor allem legte er großen Wert auf die Beherrschung des Zentrums durch eine solide Bauernkette.

 

 

gemalt von Elke Rehder

 Dann ging er daran zu beurteilen, auf welcher Flanke er gewisse Chancen hatte, um schliesslich auf jener Seite kleine Vorteile zu erarbeiten, die letztendlich in einem Partiegewinn mündeten.

Man verschmähte die Kombinationen, um noch "sicherer" zu sein, den Sieg zu erzielen.

In der Tat wurde mit keiner Kritik gegenüber jedem Spieler gescheut, der auf Angriff spielte. Wenn diese strengen Dogmen eingehalten wurden, konnte der Sieg eigentlich ohne Zwischenfälle erreicht werden. Aber wo blieben die Phantasie und das Talent?

 Zum Glück akzeptierten nicht alle Spieler diese Art zu spielen …

Eine Gruppe von „Rebellen", die von Aaron Nimzowitsch und Richard Réti angeführt wurde, beschloss, mit den neuen Ideen zu brechen.

 Es war die Geburtsstunde der hypermodernen (oder neo-romantischen) Schule.

gemalt von Elke Rehder

Man stellte fest, dass der lettische Grossmeister Aaron Nimzowitsch der Gründer war. Zahlreich waren die Anhänger dieses Schach-Verständnisses und „immatrikulierten sich" als die Hypermodernen:

 Rudolf Spielmann (der Spektakulärste seiner Zeit), Akiva Rubinstein (vielleicht der Perfekteste der Gruppe), Dr. Savielly Tartakower, Milan Vidmar, Gyula Breyer, Carlos Torre Repetto, Frederic Yates, Edgar Colle, Ernst Grünfeld, Fritz Sämisch und einige andere ……………

 Nimzowitsch

 

 

Réti

Dr. Tartakower

Spielmann

Rubinstein

Die Prinzipien der hypermodernen Schule stimmten mit den Klassikern nur bei der Präferenz der Beherrschung des Zentrums überein.

Dr. Tarrasch hatte postuliert, was mittels der Bauern zu erreichen war: sie sollten die zentralen Felder besetzen und sie unter keinen Umständen verlassen.

Die hypermodernen Spieler gingen jedoch noch weiter und versuchten zu zeigen, dass die Beherrschung des Zentrums auch durch andere Figuren erreicht werden konnte:

„Die Springer, Türme und Läufer konnten einen starken Druck auf das Zentrum ausüben und so die Stellung festigen.

Anonymus

signé (illisible) et daté de 1959

Sie legten ausserdem Wert darauf zu beweisen, dass sich die zentral postierten Bauern auch nachteilig auf die Beweglichkeit der anderen Figuren auswirken konnten.

Neue Konzepte wurden eingeführt, wie Blockadefiguren: Diese Idee ist, jede nicht so wertvolle Figur einzusetzen, um den Vormarsch eines Bauern zu verhindern zumal, wenn es sich um einen Freibauern handelt. Zusätzlich wird durch die Blockade erreicht, eine Schwäche in der Struktur des Gegners zu schaffen. Man folgerte sogar, dass in diesen Fällen das Konzept der Opposition (der Könige) seine Bedeutung verliert.

Das war natürlich eine Revolution, die die bekannten Prinzipien in Frage stellte.

Darüber hinaus versuchten die hypermodernen Spieler, veraltete und vergessene Dogmen zu beleben und damit gewisse Aspekte des romantischen Schachs wiederauferstehen zu lassen.

Die meisten dieser Ideen wurden von Nimzowitsch in seinem Buch "Mein System"

 

 

 

 

und "Die Praxis meines Systems"

 

 

eingeführt. Damit wollte er  zeigen, dass Tarraschs Ideen nicht unbedingt unveränderbare Dogmen waren, wie viele in jener Zeit glaubten.

Anfangs musste Nimzowitsch viel Spott und Häme ertragen, da eigentlich niemand an diese neue Art des Spielens glaubte. Nur im Laufe der Zeit bewies sich die Wahrheit dieser innovativen Theorien, die dann später von Generationen der Schachspieler genutzt wurden. Viele Grossmeister haben zugegeben, dass sie von den Grundsätzen Nimzowitschs inspiriert und beeinflusst wurden,  wie zum Beispiel Bent Larsen und Gary Kasparov.

Vom künstlerischen Standpunkt aus bestand der große Unterschied darin, die von den Neo-Romantikern im Mittelspiel erarbeiteten Vorteile zu festigen. Sie scheuten sich auch nicht, Figurenopfer zu bringen und versuchten immer, – wenn möglich – das Spiel mit schönen Kombinationen brillant zu beenden.

 

 

Gemalt von Paul Klee 1937

(Überschach)

Vor allem war es Rudolf Spielmann, ein Grossmeister, der immer danach trachtete, ein Kunstwerk zu schaffen, unabhängig vom Ergebnis des Spieles und hinterliess uns mit vielen Schönheitspreisen ausgezeichnete Partien. Kurz gesagt, es gab diese Gruppe von Spielern, die mehr Bedeutung der Entwicklung von Kreativität gaben und vorzogen, eine Partie auf glanzvolle Weise zu gewinnen. Die Prinzipien von Tarrasch widersprachen diesem Aspekt, aber wenn man auch seine Partien nachspielt, wird man Dutzende von Angriffspartien finden.

Richard Réti trug ebenfalls wesentlich zur Entwicklung der neo-romantischen Theorie bei. Sein Buch "Die Meister des Schachbretts"

 

 

 

ist ein echtes Juwel.  Réti analysiert mit großer Genauigkeit das Spiel der Meister seiner Zeit und der romantischen Epoche. Er erklärt seine eigene Art, das Spiel zu verstehen, die der von Nimzowitsch erklärten Weise ähnelt.

Der beste Weg hypermoderne Ideen zu verstehen, sind ihre Partien. Hierzu haben wir ein Wunderwerk an Neo-Romantik ausgewählt und nachstehend, entsprechend analysiert und kommentiert von NM Hebert Pérez García

 

 

wiedergegeben:

Breyer – Esser, Budapest 1917

 

 

 Gemalt von Elke Rehder

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Guyla Breyer

 

 

Foto: rogerpaiges.com

 

Johannes Esser

 

 

 

Foto: courtesy NM Hebert Pérez García

 

GYULA BREYER vs JOHANNES ESSER BUDAPEST 1917

Wir erlauben uns, die Leser darauf hinzuweisen, wenn sie diese Partie mit elektronischen Schachprogrammen analysieren, dürfen sie nicht die verschiedenen Bewertungen als definitiv ansehen. Dieselbe Betrachtung haben wir mit der Analyse, die wir hier vorstellen.

Die Partie ist in der Tat faszinierend und enthält ultra-dynamische taktische Komplikationen.

Deshalb ist noch nicht alles endgültig, was wir hier vortragen, und wir empfehlen Ihnen, diese Analyse mit eigener analytischen Kreativität zu bereichern.

Breyer, Gyula – Esser, Johannes [D31]
Budapest, 1917
[Hebert Pérez García
]

1. d4 d5 2.c4 c6 3.e3 Sf6 4.Sc3 e6 5.Ld3 Ld6 6.f4 [ Üblich ist die Variante 6.Sf3 Sbd7 7.0-0 usw., aber der Textzug ist auch spielbar zur Freude der Angriffsspieler. ]

6…0-0 [Schwarz kann ausgleichen, in dem er 6...c5!? 7. Sf3 Sc6 8.0-0 0-0 spielt.]

7. Sf3 dxc4 [Auch hier wieder verdiente 7..c5!? 8.0-0 Sc6 eine entsprechende Beachtung.]

 

                                                          

8. Lb1!? [Hier wird ein genialer Angriff geplant, obwohl seine Richtigkeit diskutierbar ist. Die positionelle Idee ist, die zentrale Aktivität der weissen Kräfte zu stärken auf Kosten eines zeitweiligen Bauernopfers.

Bei einige Varianten beziehen sie sich auf den Angriff des Feldes "h7", wobei Weiss dann seine Dame auf "c2" stellt und so eine "Batterie" aufbaut. Eine einfache Alternative war: 8..Lxc4 c5 9.0-0 Sc6 10.dxc5 usw.]

8…b5 [In den heutigen Zeiten würde Schwarz mit einer soliden Verteidung antworten: 8...c5 9.0-0 Cc6 =]

9. e4 Le7

 

 

 

10. Sg5 !?[  Konsequent mit dem begonnenen Plan 8. Lb1]

10… h6 [GM Richard Réti bestätigte, dass, wenn 10...g6 gespielt wird, dann 11.h4 und eventuell h5 usw. folgen würde.]

11.h4  [Eine typische Idee mit der Absicht 12.e5 Sd5 13.Dc2 g6 14.h5 zu spielen.]

11…g6 [Den "Lockvogel" anzunehmen, wäre für Schwarz gefährlich gewesen.

Z.B. 11 ...hxg512.hxg5 g6 13.gxf6 Lxf6 14.e5 Lg7 15.Se4 mit weissem Vorteil. Sehr interessant war die defensive Alternative 11...e5 ! 12. fxe5 Lg4 13.Sf3 Sh5;]

12. e5 ! hxg5 [Einige Programme schlagen 12...Sh5 vor.]

13. hxg5 [Besser als 13.exf6 Lxf6 14.hxg5 Lxd4-/+]

13…Sd5 [Die Programme bewerten die Stellung als ausgeglichen und bevorzugen die Variante 13...Sfd7 14.Df3 Kg7 15.Th7+ Kxh7 16.Dh5+ Kg8 17.Lxg6 fxg6 18.Dxg6+ Kh8 19.Dh6+ Kg8 20.Dg6+ =]

14. Kf1 [Breyer spielt auf Gewinn und nimmt entsprechende Risiken auf sich. Eine sichere Alternative war 14.Dg4 Kg7 15.Th7+ Kxh7 16.Dh5+ Kg7 17.Dh6+ Kg8 18.Lxg6 fxg6 19.Dxg6+ =]

14…Sxc3 [Raffiniert ist folgende Absicht zur Verteidigung 14...Te8!? 15.Df3 Lf8 16.Se4 Sd7 17.Sf6+ S5xf6 18.gxf6 Sxf6 19.exf6 Dxf6 20.Le4 Ld7 21.Ld2 a5]

15. bxc3 [Vorsichtiger wäre die Fortsetzung mit15.Df3 Dxd4 16.bxc3 Dd8 17.Le3 Kg7 18.Th7+ Kxh7 19.Dh5+ Kg8 20.Lxg6 =]

15…Lb7 [Beachtenswert war 15...De8 !? mit der Idee so zu spielen, wenn 16.Th6 Kg7 folgen.]

16. Dg4 Kg7 17.Th7+ Kxh7 18.Dh5+ Kg7 19.Dh6+ Kg8 20.Lxg6 fxg6 21.Dxg6+ Kh8 22.Dh6+ Kg8 23.g6 [23.Dg6+ =] 23…Tf7 24.gxf7+ Kxf7

25. Dh5+ Kg7 ? Ein schrecklicher Fehler, der die Partie zum Verlust führt. Man hätte hier 25…Kg8 26.Dg6+ Kh8 27.f5 (27.Dh6+ Kg8 28.Dg6+ Kh8 =) 27…Df8 28.f6 Lxf6 29.Lh6 Dg8 30.Dxf6+ Kh7 31.De7+ Kxh6 32.Dh4+ Kg7 33.Df6+ Kh7 34.Dh4+ = spielen müssen; aber nicht  34.Kf2 ? 34…Dg7 35.Th1+ Kg8 und Schwarz kann sich verteidigen.) ]

26. f5 [Nun ist der weisse Angriff gewinnbringend.]

26…exf5 27.Lh6+ und Weiss gewann. Die modernen Programme zeigen ein Matt in 9 Zügen an!  Schauen wir: 27.Lh6+ Kh7 28.e6 ! Offensichtlich kann Schwarz hier aufgeben,  28…De8 ein absurder Zug, um die Mattvariante hinauszuschieben. Dasselbe kann von den restlichen Zügen von Schwarz gesagt werden. 29. Dxe8 Kxh6 30.Dxe7 Sd7 31.Kf2 Th8 32.Th1+ Kg6 33.Df7+ Kg5 34.Dg7+ Kf4 35.Dg3+ Ke4 36.Df3#] 1-0

Wenn man nun die Entwicklung der Partie betrachtet, sieht es so aus, dass die Göttin "Caissa" die kreativen Anstrengungen von Gyula Breyer mit dem Gewinn belohnte. Dr. Johannes Esser versagte am Schluss der Partie, sicher ermüdet von dem verwirrenden Angriff seines genialen Gegners.

 

Schlusstellung

 

 

 

Partie zum Nachspielen:

 

 

 

 Breyer vs J Esser 1-0 47 1917 Budapest D10 Queen's Gambit Declined Slav

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Sitges (Barcelona), im Mai 2012


 
 

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Freitag, 4. Mai 2012

Viacheslav Ragozin – das taktische Talent der Nachkriegszeit

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 03.05.12


 

 

Foto: en.wikipedia.org

von Javier Fernandez Cordero
Viacheslav Ragozin wurde am 8. Oktober 1908 in St. Petersburg geboren.


Zusammen mit Vladas Mikenas

 

 

war er der talentierteste taktische Spieler der Nachkriegszeit.

 

Diese Generation übernahm die harte Arbeit, das Fundament der Prinzipien der sowjetischen Schule zu legen; sie alle nahmen an der Vorbereitung teil,  junge Persönlichkeiten des Schachs zu bilden wie: Bronstein, Keres, Tal, Spassky, usw. …

Ragozins Stil war aggressiv sogar angriffslustiger als der von Mikenas, so dass es nicht schwer war, Partien voller taktischer Schläge zu finden.

Mit dieser Art des Spieles erwarben sie sich die Zuneigung der jungen Schachanhänger, die ihre Partien mit Inbrunst verfolgten.

 

 

 

Foto: courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

Seinen ersten bemerkenswerten Sieg errang Ragozin anlässlich eines Turnieres in Sverdlovsk, wobei er nicht nur durch seine herausragenden Ergebnisse auffiel.

 

 

Sverdlovsk 1942


 

 

 

Ebenso hinterliess sein gepflegtes Angriffsspiel Spuren, so dass mehrere seiner Partien veröffentlicht wurden.

Ein Beweis ist sein Sieg gegen einen der stärksten Landsleute

(Ragozin – Boleslavsky):

 

Ragozin  1 – Boleslavsky  0      Ragozin      : weiss

         Sverdlovsk  1942                Boleslavsky    : schwarz

 

1. e4 / c6  2. d4 / d5  3. Sc3 / dxe4  4. Sxe4 / Sf6  5. Sxf6+ / exf6  6. Lc4 / Ld6

7. De2 / Ae7  8. Sf3 / 0-0  9. 0-0 / Ld6  10. Te1 / Lg4  11. De4 / Lh5  12. Sh4 / Sd7

13. Df5 / Sb6  14. Dxh5 / Sxc4  15. Lh6 / Dd7  16. Lxg7 / Kxg7  17. Sf5+ / Kh8

18. Te4 / Lxh2+  19. Kh1 / aufgegeben von Boleslavsky.

 

 

Nach: 15…Dd7

 

Zum Nachspielen:

http://www.chessgames.com/perl/chessgame?gid=1273101

 

 

Fast seine gesamte Schachlaufbahn entwickelte sich nach dem II. Weltkrieg  in der Sowjetunion, da die sowjetischen Behörden nicht zuliessen, dass ihre Spieler durch das westliche Europa reisten.

 

 

 

Foto: courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

 

Äusserst selten schickten sie ihre Spieler mit strengen Auflagen zu europäischen Turnieren, doch diese Massnahme wurde ab den 50iger Jahren gelockert.
Wir wollen uns aber nichts vormachen:

Ragozin hatte keine hervorragenden Gesamtergebnisse, erreichte aber gute Plätze, die jedoch nicht so bedeutend waren, um in die Weltspitze aufzusteigen.

Wohl verdiente er sich den Respekt seiner Gegner durch sein brillantes Spiel und seine originelle Ideen.

 

Nachstehend eine Zusammenfassung seiner Ergebnisse:

 

Viacheslav Ragozin

Diese Tafel enthält alle Turnier von Viacheslav Ragozin.

 

Einzel-matchs


 

 

 

Ohne Zweifel war seine Krönung der Gewinn der 2. Weltmeisterschaft  im Fernschach – siehe Endstand:

 

Fernschach-Weltmeisterschaft 1956-1959


 

 

 

 

Zum Vergrössern bitte daraufklicken!

Bitte, beachten sie den hervorragenden 3. Platz von

GM Lothar Schmid, Bamberg !

 

Mit diesem Sieg erweiterte die UdSSR ihre Herrschaft in die gesamte Welt des Schachs, sei es nun im männlichen oder weiblichen Bereich und in anderen Modalitäten.


Ragozin wurde der GM-Titel im Jahr 1950 und die Fernschach-GM im Jahr 1958 verliehen nach dem Gewinn jener Weltmeisterschaft.


Er widmete sein Leben dem Schach, sowohl in der Praxis als auch in der Organisation, als Vizepräsident der FIDE-Delegation der UdSSR von 1950 bis 1961.

 

Ausgezeichnete Beziehungen unterhielt er zu dem Weltmeister Mikhail Botwinnik, dem er bei seinen Vorbereitungen für die WM-Kämpfe half (als Sparringspartner) .

Sein Rat war sehr beliebt, sogar selbst anerkannt von dem Weltmeister.

 

 

Botvinnik und Ragozin Moskau 1951

 

Foto: chess.com

 

Ebenso ein kurzes Video:

www.youtube.com/watch?v=y5S8-xfBC2g

 

Im Bereich der Theorie der Verteidigungen fand er neue Ressourcen im Damengambit und den Nimzo-Indischen-Systemen.

Zusätzlich wurde er bekannt durch die

 

Ragozin-Verteidigung

Dies war die bevorzugte Eröffnung von Schwarz, wenn Weiß mit 3.Sf3 den Nimzoinder umging.

Die nach 1.d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sf3 d5 4.Sc3 dxc4 5.e4 Lb4 6.Lg5 c5 entstehende Stellung hat man in den letzten Jahrzehnten sowohl gründlicher als auch praktischer und theoretischer Untersuchung unterzogen. In Moskau wurden zwei wichtige frühzeitige Abweichungen vom Mainstream erprobt.

 

 

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Ebenfalls war er im journalisten Bereich bei verschiedenen Publikationen des Schachs tätig und übernahm die Leitung der renommierten Schachzeitung „Shakhmaty"

von 1946 bis 1955

Foto: en.wikipedia.org

 

Darüber hinaus schrieb Ragozin mehrere Bücher, wobei besonders seine Arbeit über das match Botwinnik – Tal 1960 gelobt wurde.

 

In seinen letzten Jahren arbeitete er an einem Buch mit der Zusammenstellung seiner besten Partien, das er leider nicht mehr selbst fertigstellen konnte, aber von seinen Freunden abgeschlossen und im Jahr 1964 veröffentlicht wurde.

 

 

Foto: chessbook.hut.ru

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Weitere Bücher über  Viacheslav Ragozin

 

 

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Dieses nachstehend abgebildete Buch ist die Monographie von Mijail Yudovich, veröffentlicht von Fizkultura i Sport (Moscú, 1984):

 

 

Foto: javiastu.blogspot.com

 

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Er starb am 11. März 1962 in Moskau im Alter von nur 53 Jahren.

 

Nachstehend seine Grabstätte:

 

 

Foto: svpromotie.nl

 

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Sitges (Barcelona), im Mai 2012


 
 

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Samstag, 28. April 2012

Schach-Poesie

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 27.04.12

 

                                            

"Das Königreich des Schachs" gemalt von Carlos Orduña Barrera

 

 

von  Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

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Die Ruhe und das Schweigen der Verbündeten

 

machten aus der Wissenschaft ein schönes Spiel,

 

Menschen mit umsichtigen Handbewegungen

 

die Augen zum Himmel gerichtet.

 

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"Schachspieler" gemalt von Eakins Thomas (1844-1916)

 

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Das Holz schuf das richtige Umfeld,

 

an den Tischen, den Figuren und dem Schachbrett,

 

wieder an den Wänden und auf dem Boden

 

Schauplatz  eines wahrhaften Vorbildes.

 

 

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*"Ein heiliges Spiel" gemalt von George Goodwin Kilburne

 

 

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Angeregt durch die Kunst und die Schönheit,

 

näherte ich mich eines Tages dem Schach

 

davon überzeugt, dass ich ein Zusammenspiel von

 

Schönheit,  Erregungen und Freude traf.

 

 

                                    

 "Schach" gemalt von de Favén Antti

 

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Sitges (Barcelona), im April 2012



 
 

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Dienstag, 24. April 2012

Der alte Mann und das Schach

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 19.04.12

 

                                                 

             GM Andor Lilienthal 1992

 

  Foto: chessbase.de

 

 

von ÖMK Dr. Paul Meyer, Österreich

 

ergänzt und illustriert von Frank Mayer

 

 

GM Andor Arnoldovich Lilienthal hat gegen zehn Schach-Weltmeister gespielt und die Hälfte (!) davon geschlagen.

 

Von seinen Siegen gegen die Legenden Dr. Emanuel Lasker, José Raúl Capablanca,  Dr. Alexander Aljechin und Vera Menchik berichtete der Ungar besonders gern.

 

Aber auch Dr. Mikhail Botwinnik und Wassily Smyslow mussten ihm die Hand zur Aufgabe reichen.

 

Am 05.05 2010 feierte der Budapester noch seinen 99. Geburtstag – drei Tage später – am 08.05.2010 – starb er.

 

 

                       

 

Foto: gde-pohoronit.rugde.porohonit.ru

 

 

Dies geschah während der laufenden Schach-WM zwischen Viswanathan Anand und Wesselin Topalow in Sofia, wo man den unterhaltsamen Grandseigneur mit einer Gedenkminute würdigte.

Andor Lilienthal kam als Sohn einer ungarischen Sängerin und eines russischen Elektroingenieurs am 05.05.1911 in Moskau zur Welt. Seine Mutter hatte auf einer Moskauer Bühne zu dieser Zeit gerade ein Engagement als Sängerin. Sie kehrte mit ihren drei Kindern im Jahre 1913 nach Budapest zurück, der Vater blieb in Russland. Weil die Mutter krankheitsbedingt ihre Stimme verlor, verarmte die Familie und wuchs der junge Andor in einem Kinderheim bei staatlicher Pflege auf.

Er absolvierte eine Schneiderlehre, fand jedoch keine Anstellung. So erlernte er als 15- jähriger ausgebildeter Schneider das Schachspiel

 

                         

 

Foto: chessbase.de

 

 

und trieb sich in diversen Budapester Cafés herum, wo er um Geld zockte. Mit den Gewinnen bei Schach- Duellen hielt er sich über Wasser und machte zunehmend von sich Reden.

 

In Paris 1930 erhielt er eine erste Einladung zu einem internationalen Turnier und schlug sich mit 4:3 Punkten als geteilter Vierter achtbar.

 

Siehe Tabelle:

 

Paris 1930

 

Zum Vergrössern bitte draufklicken.

 

Rasch stieg Lilienthal zu einem der stärksten Spieler auf der Welt und rangierte sogar gemäß der historischen Weltrangliste im Jahre 1934 auf dem sechsten (!) Platz, wobei seine historisch höchste ELO- Zahl 2710 betrug.

 

 

 

Im Jahre 1935 lernte er während des Moskauer Turniers seine künftige Frau Jewgenija kennen, heiratete sie und ließ sich in Moskau nieder. Er nahm sogar die sowjetische Staatsbürgerschaft an.

Seit 1937 nahm er an den Landesmeisterschaften der UdSSR teil, wurde 1938 quasi außer Konkurrenz Meister von Weißrussland, gewann 1940 die Moskauer Stadtmeisterschaft und teilte im selben Jahr sogar den ersten Platz bei der UdSSR- Meisterschaft (!) mit Igor Bondarevsky, gefolgt von dem späteren Weltmeister Smyslow.

 

Moscow, 12th USSR Championship 1940

zum Vergrössern bitte draufklicken!

 

                   

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Lilienthal auf der internationalen Schachbühne rarer, ließ jedoch 1948 mit seinem 5. Rang beim Interzonenturnier in Saltsjöbaden aufhorchen, wo er sich für das Kandidatenturnier in Budapest 1950 qualifizierte und dort den 8. Platz belegte.

 

Budapest Candidates 1950


 

zum Vergössern bitte draufklicken!
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Im selben Jahr erhielt der von der FIDE auf Grund seiner internationalen Erfolge als einer der ersten Spieler den Titel Großmeisters verliehen.
In der Folgezeit tat er sich vor allem als Trainer des späteren Weltmeisters Dr. Tigran Petrosjan hervor.

 

                             

 

 Foto: myschach.de

 

Nach dem Tod seiner Frau im Jahre 1976 kehrte der mittlerweile 65-Jährige in seine Heimat Ungarn zurück.

 

Wie schon 1935, als sich Lasker in Moskau aufhielt, half er auch Bobby Fischer im Jahre 1992 bei seinem Aufenthalt in Budapest.

 

 

                                  

 

 

Foto: ipc.digital.com

 

Das US-Genie, das Lilienthal für den stärksten Spieler aller Zeiten hielt, lebte auch einen Monat in seiner Wohnung.

 

Als 2001 in Berlin in Deutschland die Lasker- Gesellschaft gegründet wurde, war Andor Lilienthal als ältester noch lebender Großmeister der Welt ein gern gesehener Gast, der noch eigene Geschichten aus alter Zeit zu berichten wusste.

 

An seinem 85. Geburtstag erhielt er auf Grund seiner Verdienste um den Schachsport von FIDE- Präsident Kirsan Iljumschinow eine monatliche Pension in Höhe von 750 US-Dollar auf Lebenszeit zugesprochen. Damit konnte der Ungar in seinen letzten Jahrzehnten seinen Status als "lebende Schachlegende" voll auskosten, was ihn mit manchen Widrigkeiten zuvor versöhnt haben mag.

 

 

 

                    

 

Foto: chessbase.de


Unvergessen waren seine spektakulären Damenopfer. Wahrscheinlich existiert hier sogar so etwas wie eine seltene Duplizität der Fälle, wovon ich kurz berichten will: Als Einziger der beim Revanchekampf Fischer- Spasski im Jahre 1992 im Analyseraum versammelten Schachmeister fand Lilienthal ein verblüffendes (im Übrigen korrektes) Damenopfer. Für die Youngsters unter uns sei an dieser Stelle festgestellt, dass es zur damaligen Zeit keine Computer-Unterstützung  gegeben hat und noch jeder Spieler seine Züge selber finden musste!

 

Auch wenn es klischeehaft klingt: Lilienthal dürfte eine echte Schwäche im Spiel mit der Schachdame gehabt haben, denn sein toller "exf6!!- Sieg" – also das sensationelle Damenopfer gegen Capablanca – bleibt wohl unsterblich….

 

Nachstehend die entsprechende Partie  kommentiert

von Mikhail Botvinnik

 

 

Lilienthal, Andor – Capablanca, Jose Raúl [E24]

 

Hastings(5), 01.01.1935

 

1. d4 Sf6 2.c4 e6 3.Sc3 Lb4 4.a3 Lxc3+ 5.bxc3 b6 6.f3 d5 7.Lg5 h6 8.Lh4 La6!? Solider ist 8…..Lb7

 

9. e4 Lxc4 10.Lxc4 dxc4 11.Da4+ Dd7 12.Dxc4 Dc6 13.Dd3 Sbd7 14.Se2 Td8 15.0–0 a5 Schwarz denkt wohl an a5-a4 und Eroberung des Felpes "b3" für seinen Springer.

 

 

16. Dc2 mit der Absicht 17. c4, was jetzt noch an Se5 gescheitert wäre.

 

…..Dc4! 17.f4 Tc8 18. f5! e5? Gerade das wollte Weiss provozieren.

 

 

19. dxe5 Dxe4:

Da 19….Se5: wegen 20. Lf6: und 21. Sf4 indiskutabel ist, hatte sich

Schwarz auf den Textzug verlassen, aber……

 

 

Diagramm

 

 

20. exf6!!  Das ist kein Donnerschlag mehr, sondern ein regelrechtes Erdbeben!

 

 

Dxc2: auch die Alternative 20….Dh4: 21 fg und Tf4 ist hoffnungslos.

 

21. fxg7 Tg8 22.Sd4 De4 angesichts der Mattdrohung erzwungen.

 

23.Tae1 Sc5 24.Txe4+ Sxe4 25.Te1 Txg7 26.Txe4+ 1-0

 

Diagramm

 

 

Endstellung

 

Zum Nachspielen:

 

 

1.      Lilienthal vs Capablanca      1-0     26     1935     Hastings      E24      Nimzo-Indian, Samisch


Das Teilnehmerfeld:

 

Copyright The IllustratedLondonNews 1935

 

 

Quelle: Schachklub Volksbank Lienz-Österreich

 

 

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Sitges (Barcelona), im April 2012



 
 

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