Schach Praline Pos1

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Kann Weiß gewinnen ???

Samstag, 16. April 2011

Aljechin verweigert Capablanca einen Revanchekampf

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 10.04.11

 

 


 

 

  

 

 Fotos chessbase.de

 

 

 Der Versuch einer Aufklärung

 

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in Zusammenarbeit mit Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

 

Text:

 

"Wenn Schach ein Kampf ist, ist Lasker der Beste, wenn Schach eine Wissenschaft ist, ist Capablanca der Beste, wenn Schach Kunst ist, ist Aljechin der Beste" gemäss GM Dr. Savielly Tartakover.

 

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Nachdem der neue Weltmeister José Raúl Capablanca die Krone von Dr. Emanuel Lasker in 1921 übernahm,


 

 

 

 

beteiligte er sich danach an einem internationalen Turnier in London 1922, bei dem er gleichfalls als deutlicher Sieger hervorging:

 

 

 Foto endgame.nl

 

Sehen wir uns den Endstand des Turnieres an:

 

Es nahmen eigentlich die damaligen stärksten Spieler teil, die sich abschliessend dahingehend äusserten, dass der Weltmeister eine Herausforderung nicht ablehnen könne, wie es schon des Öfteren in der Vergangenheit der Schachgeschichte vorgekommen war.

 

José Raúl Capablanca, Alexander Alejechin, Efim Bogoljubov, Géza Maróczy, Richard Réti, Akiva Rubinstein, Savielly Tartakover und Milan Vidmar

 

setzten sich demzufolge zusammen, um neue Regeln für die zukünftigen Weltmeisterschaften zu besprechen.

 

Einer der ganz entscheidenden Punkte war das Kriterium des Weltmeisters, dass der Herausforderer auf den Titel mindestens

$ 10.000.—als Preisgeld aufbringen musste.

(Auszug aus der Biographie über José Raúl Capablanca)

 

In der Tat war es so, dass Capablanca immer auf dem Londoner Abkommen bestand, sich einem neuen Weltmeisterschaftskampf zu stellen.

Da jedoch keiner der möglichen Herausforderer

(wie Aljechin, Rubinstein und Nimzowitsch) einen solch hohen Betrag aufbringen konnte, vergingen Jahre um Jahre.

Anderseits war aus den damaligen Schachkreisen zu hören, dass der Weltmeister eigentlich auch kein wirkliches Interesse hatte, seine WM-Krone aufs Spiel zu setzen.

 

Nach sechsjähriger Herrschaft Capablancas überraschte die argentinische Regierung die Schachwelt, in dem sie die geforderte Summe zur Verfügung stellte unter der Bedingung, dass 1927 der WM-Kampf in Buenos Aires stattfinden müsse. Der designierte Herausforderer war Alexander Aljechin als zweitplazierter Spieler bei dem New Yorker Turnier 1927.

 

Angesichts der bereitgestellten Summe nahm Capablanca hocherfreut die Herausforderung an, seinen Titel zu verteidigen.

Weltmeister sollte werden, wer zuerst sechs Siege verbuchen konnte. Bei einem 5:5 sollte dagegen Capablanca Weltmeister bleiben.

 

Foto taringa.net

 

Nachstehend die Entwicklung des WM-matches vom 16.9. bis 26.11.1927:

Das Endergebnis ergab: 6 Siege für Aljechin, 3 Siege für Capblanca und eine unendliche Anzahl von Remispartien.

 

Der "gute" Capablanca verlor seinen Titel auf eine "zufällige" Weise.


 

  

 

Foto dreamchess.com

 

 

Wir dürfen daran erinnern, dass zwischen dem internationalen Turnier von New York Anfang des Jahres 1927,


 

 

 

 

courtesy Arqto. Roberto Pagura

 

 

 

 

bei dem Capablanca alle seine Gegner "vom Brett fegte" (siehe Punkte-Endstand),

 

 Abschlusstabelle

 

(einschliesslich Aljechin) sechs Monate bis zum Beginn der Weltmeisterschaft in Buenos Aires vergingen, in denen der Kubaner eigentlich nichts tat und eigentlich nur das Leben genoss.

Mit anderen Worten: weder spielte er eine offizielle Partie, noch bereitete er sich auf das Turnier vor.

 

 

 

 

 

 

 

Capablanca fühlte sich so sicher und überlegen.


 

Währenddessen zog sich Aljechin


 

 

      in sein Kämmerlein bei Kerzenlicht zurück und vertiefte sich Nacht für Nacht in die Theorie, aber besonders analysierte er die aufgezeichneten Partien seines zukünftigen Gegners.

So kam es, wie er später erzählte, dass er doch einige Schwächen in dem sachlichen Spiel von Capablanca entdeckte.

 

In gewisser Weise wurde dann Capablanca von dem Auftreten seines Herausforderers überrascht, der noch obendrein in einigen Partien das Glück auf seiner Seite hatte.

 

Hinzu kam, dass Aljechin der Bitte des Weltmeisters nicht nachkam, das match aufgrund der endlos vielen Remispartien zu unterbrechen, da er selbst einen dauerhaften Verschleiss seiner Kräfte wahrnahm, unabhängig von den Symptomen, die sich in den folgenden Jahren zu einem chronischen Bluthochdruck entwickelten.

Eine Krankheit, die ihn später auch daran sterben liess.

 

Andererseits war Capablanca nicht der menschliche Typ, der über Monate jeden zweiten Tag eine Turnierpartie von seiner physischen und mentalen Stärke durchhalten konnte.

Turniere von 2-3 Wochen mit 12 oder 14 Partien waren wie auf ihn zugeschnitten.

 

 

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Trotz der gegenseitigen Rivalität, hatten sie stets anerkennende Worte für einander.

"Herr Dr. Aljechin spielt immer hervorragend (….), der Weltmeistertitel befindet sich in guten Händen", erklärte Capablanca nach der Niederlage im WM-Kampf 1927 in Buenos Aires.

 

"Seit ich Capablanca kannte, wusste ich, dass er einmal der Weltmeister und ich sein logischer Herausforderer sein würde (…). Ich muss bekennen, nachdem er mir seinen Vorschlag zu einem WM-Duell anbot, dass ich meinen Wunsch, gegen Capablanca um den Titel zu spielen, erneuert fand, weil ich ihn und sein Talent so besonders bewunderte," bestätigte Aljechin nach dem gewonnenen Turnier.

 

Wir sind sicher, dass bei einem Revanchematch innerhalb der nächsten zwei Jahre Capablanca seinen Titel zurückerobert hätte. Denn dieses Mal wäre er wesentlich besser vorbereitet gewesen.

 

Tatsächlich war in jener Epoche weltweit für Aljechin der einzige ernsthafte Gegner Capablanca. Darüber war sich auch der neue Weltmeister im Klaren.

 

Aus diesem Grund fand dieses herbeigewünschte match nie statt.

 

Einzelne Teilergebnisse zwischen Capablanca und Aljechin:

 

1914 Sankt Petersburg (kurze Serie) 2 0
1914 Sankt Petersburg 2.5 0.5
1922 London 0.5 0.5
1924 New York 0.5 0.5 0.5 0.5

 1924 New York 1 0 und 3 remisen

1927 Buenos Aires (Match) 3 6 und 25 remisen
1936 Nottingham 1 0
1938 Holland (A.V.R.O.)
0 0.5 1 0.5

 

gesamt 9 : 7 und 33 remisen

 

Capablanca hatte also 2 Siege mehr zu verzeichnen bei all den zwischen den beiden gespielten Partien.

 

In diesem Zusammenhang erinnern wir auch an die wirtschaftliche und finanzielle Lage, als sich der schreckliche Zusammenbruch an dem "schwarzen Freitag", der in der Tat aber ein Donnerstag war, demzufolge genau am 24. Oktober 1929 ereignete und die ganze Welt betraf.


 

  

 

Wer hätte in jenen krisenhaften Jahren $ 10.000.—aufbringen können, um Aljechin aufzufordern, eine neue Begegnung mit Capablanca um den WM-Titel auszutragen?

 

Wir wissen, dass Capablanca unheimliche Anstrengungen unternahm, um diesen Betrag zusammenzubringen und letztlich schaffte er es doch noch – trotz aller Widerstände.

 

Aber Aljechin lehnte dieses Angebot ab, wobei er argumentierte, dass sich der Dollar inzwischen abgewertet habe, verlangte  er die Summe in Gold.

 

Folgerichtig fühlte sich Capablanca unwürdig behandelt und zog sein Angebot zurück.

 

Allerdings akzeptierte Aljechin einige Jahre später, zu einem niedrigeren Preisgeld seinen Titel gegen Efim Bogoljubov


 

  

 

 

(1929 und 1934) und gegen Dr. Max Euwe


 

  

 

 

(1935 und 1937) zu verteidigen, wobei er genau wusste, dass er sich mit Gegnern zu messen hatte, die durchaus zu bezwingen waren.

Bei dem match 1935 gegen Dr. Euwe, der aber die 1922 vereinbarten

$ 10.000.– aufbringen konnte, verlor er seinen Titel mit einem knappen Ergebnis, war aber auch umgeben von dem Gerücht seiner starken Alkoholabhängigkeit.

 

Abschliessend dürfen wir noch an den hervorragenden Sieg  Capablancas in dem sogenannten "Fünf-Weltmeister-Turnier" in Nottingham 1936 erinnern, wobei er auch Aljechin klar besiegte.


 

 

 

 courtesy Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires

Endstand:


 

 

 

Nun bieten wir den geneigten Schachfreunden die Partie zwischen

Capablanca, Jose Raul – Alekhine, Alexander

(mit Kommentaren von Alexander Aljechin)

Nottingham, 1936

 

1. d4 e6 2.Sf3 f5 3.g3 Sf6 4.Lg2 Le7 5.0–0 0–0 6.c4 Se4

 

Mit Stolz reklamiert Aljechin diesen und den nächsten Zug als seine Erfindung und bewertet die Position als ausgeglichen wegen der weissen Schwäche auf e4.

7. Db3 Lf6 8.Td1 De8 9.Sc3 Sc6 10.Sb5 Ld8 11.Dc2 d6 12.d5

Aljechin meint, dass a3 – gefolgt von b4 –  der beste Plan sei.

.. Sb4 13.Db3 Sa6 14.dxe6 Sac5 15.Dc2 Sxe6 16.Sfd4 Sxd4 17.Sxd4 Lf6 18.Sb5

Einfacher wäre 18. Le3 gewesen.

De7 19.Le3 a6 20.Sd4 Ld7 21.Tac1 Tae8 22.b4 b6 23.Sf3

Dieser Zug müsste als ungünstig für Weiss angesehen werden..

.. Sc3 24.Td3 f4?

Aljechin: Das war schlecht von mir berechnet. Ich dachte, 2 Qualitäten zu gewinnen, aber anstelle davon verlor ich 3 Leichtfiguren gegenüber 2 Türmen.

Die einfachste Fortsetzung wäre gewesen: 24…La4 25. Dd2 Se4 26. De1 g5!, vielleicht hätte diese offensichtlich und wahrscheinlich einen entscheidenden Vorteil gebracht.

25. gxf4 Lf5 26.Dd2 Lxd3 27.exd3 c5?

Notwendig wäre 27…Sa4 gewesen, aber nach 28. Sg5!, hätte Weiss besser gestanden.

28. Txc3 Lxc3 29.Dxc3 Df6 30.Dxf6 gxf6 31.Sd2 f5 32.b5 a5 33.Sf1 Kf7 34.Sg3 Kg6 35.Lf3 Te7 36.Kf1 Kf6 37.Ld2 Kg6 1–0

 

Schwarz gab die Hängepartie auf, ohne die Öffnung des Umschlages mit dem abgegebenen Zug (38. a4) durch den Schiedsrichter abzuwarten.

Weiss zum Sieg zu führen, wäre nur eine Frage der Zeit gewesen.

Endstellung

Schwarz gibt auf

 

 

Siehe auch die Partie zum Nachspielen.

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Anmerkung:

 

Als Aljechin von dem Ableben seines kubanischen Gegners erfuhr, sehen wir eine gewisse Ehrlichkeit in seinen Worten:

 

"Der grösste Schachspieler aller Zeiten ist von uns gegangen.

Ein Gleichwertiger wird nicht noch einmal geboren werden!"

 

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Abschliessend einige sensible Worte des kubanischen Dichters Nicolás Guillén:

 

 

"Also ist Capablanca nicht mehr auf seinem Thron,

sondern er geht, wandert und übt seine Herrschaft auf den Strassen der Welt aus.

 

Gut ist es, dass er uns von Norwegen nach Sansibar,

vom Wendekreis des Krebses bis in den Schnee führt.

 

Er reitet auf einem Schimmel, tänzelnd über Brücken und Flüsse, neben Türmen und Läufern.

 

Den Hut in der Hand (für die Damen)

Das Lächeln in der Luft (für die Herren)

 

und sein Schimmel verursacht sprühende Funken auf dem Pflaster".

 

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Quelle: MI Nelson Pinal Borges

 

Sitges (Barcelona), im April 2011

 

 

 


 
 

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