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Freitag, 13. Mai 2011

Die Magie des Arion

 
 

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via Schach und Kultur von Frank Mayer am 09.06.10

copyright nicroschro.de
mit ausdrücklicher Genehmigung von Gerald Schendel
 
– frei interpretiert und illustriert von Frank Mayer
Text:
In den Jahren 1920/21 änderte sich entscheidend das Leben von Alexander Aljechin.
Schon während einiger Zeit überlegte er, seine Heimat Russland zu verlassen.
Was er hinter sich liess, schrieb er in einem kleinen Heft auf mit dem Titel: "Das schachliche Leben in der Sowjetunion", Berlin 1921.
In dem Vorwort dieser Veröffentlichung griff
Dr. Savielly Tartakower auf die alte griechische Mythologie zurück:
"Wie die wilden Tiere der Sage des Arion, unterwarfen sich die
bolchewikischen Regierungsmitglieder der Magie des Schachs."
 
Gemalt von Albrecht Dürer 1514
Der spätere Schachweltmeister, Alexander A. Aljechin
(1892-1946) war, als Tchigorin im Jahre 1908 starb und das russische Schach seinen Höhepunkt erreicht hatte,
"anfangs einer von vielen russischen Meistern."
(Réti: "Die neuen Ideen im Schachspiel, 1922")
Die Erfolge, die Alexander Aljechin noch kurz vor Ausbruch des
1. Weltkrieges erzielte, wurden als Glücks- oder Überraschungsiege abgetan.
Danach verschwand er von der Bildfläche.
Nachdem nun der Krieg und die Revolution in Russland zu Ende waren, gingen in der westlichen Schwachtwelt Gerüchte um, dass Aljechin gestorben sei.
Jedoch zeigte sich Alexander Aljechin im Jahre 1921 sich wieder der Öffentlichkeit und zwar im Schachcafé "Kaiserhof" in Berlin.
 
 
Er erzählte wenig von der zurückliegenden Zeit und hatte aber immer einen Sèvres-Vase bei sich (aus französischer Porzellanmanufaktur), die im Jahre 1738 in Vincennes gegründet wurde und die ihm von dem russischen Zar als Anerkennung für seinen Sieg anlässlich des russischen Meisterturnieres 1914 geschenkt wurde (A. Münninghof, "Max Euwe", 2001).

Sèvres-Vase
Das, was Aljechin bereit war, über die vorangegangenen sieben Jahre zu erzählen, wurde in einer Veröffentlichung (als Buch deklariert) von Tartakower (1887-1959) mit dem Titel
"Das Schachleben im sowjetischen Russland" (32 Seiten)
festgehalten, dessen Text das Datum "Berlin, Juni 1921" trägt.
 
Übrigens hielt der Berliner Herausgeber Berhard Kagan (1866-1932) Alexander de Aljechin für den authentischen  Autor.
Nach und nach wurde es zur Mode, Bücher über das "neue" Russland zu schreiben.
Ebenso befand sich die bekannte schweizer Journalistin und Schriftstellerin Anneliese Ruegg (1879-1934) in den Jahren 1920/21 in Russland.
Als Referenz heben wir ihr wohl bekanntestes Buch hervor:
"Während des Krieges durch die Welt: Erfahrungen in den Zeiten des Krieges", das sie im Jahre 1916 schrieb.
Wie uns überliefert wurde, lernten sich Alexander Aljechin und
Anneliese Ruegg im Jahre 1920 in Russland kennen und schon zu Weihnachten desselben Jahres kündigten sie ihre Verlobung an.
 
Anfang 1921 begleitete Alexander Aljechin seine Verlobte und mehrere Delegierte als Dometscherin nach Moskau und in andere russische Städte.
Hatte er sich schon zu jenem Zeitpunkt entschieden, Russland zu verlassen?
 
Alexander Aljechin
Im Februar 1921 legte er das Amt als ermittelnder Richter nieder und am 15. März heiratete er Anneliese Ruegg.
Alexander küsst ganz herzlich seine Braut.
Am 29. April 1921 wurde ihm die Ausreisegenehmigung aus Lettland genehmigt.
Dort müsste er sich einige Monate aufgehalten haben, ehe er die Weiterreise nach Berlin antrat.
In seinen Notizen "Das Schachleben in Sowjet-Russland" fasste er seiner Eindrücke wie folgt zusammen:
"Alles hängt von dem persönlichen Einfluss zu irgendeinem Regierungsmitglied ab – ähnlich wie das Schach in Moskau eine Zeit der Blüte dank Iljin-Genewsky erfuhr.
Trotzdem scheint ist kaum wahrscheinlich, dass man etwas Dauerhaftes auf einem kaum soliden Fundament aufbauen kann."
 
Dr. Savielly Tartakower schrieb in seinem Vorwort zu den Berichten von Aljechin folgende Sätze:
"Wie die wilden Tiere in der Arion-Sage, so ließen auch die bolschewistischen Machthaber den Schachzauber über sich ergehen. Daß es dem bekannten Berliner Schachverleger gelungen ist, gerade den moskowitischen Großmeister und Schachdiktator a. D. Alexander Alexandrowitsch von Aljechin zur Schilderung jener wundersamen Schicksale zu gewinnen und daß er bei der Redigierung des Buches in deutscher Sprache wertvolles Belegmaterial beigefügt hat, kann man als einen besonders glücklichen Griff bezeichnen, für den ihm die gesamte Schachwelt Anerkennung zollen wird."
 
 
Dr. Savielly Tartakover
Foto cortesía Arqto. Roberto Pagura, Buenos Aires
Was wollte Dr. Tartakower mit den (wilden) Tieren aus der Sage des Arion ausdrücken?
 
Die griechische Mythologie kennt einen König Arion von Milet, der Trambelos, den Sohn von Telamon und Hesione, wie seinen eigenen aufzog. Dieser Arion ist wohl nicht gemeint.
Gemeint ist wohl auch nicht das wilde Pferd Arion, ein Kind des Meeresgottes Poseidon.
Gemeint ist vermutlich der Sänger und Dichter Arion von Lesbos, eine historische Gestalt um 600 v. Chr.
 
 
Arion , Gustave Moreau , 1891, Musee du Petit Palais, Frankreich
Auf ihn bezieht sich folgende Sage:
Arion von Lesbos wurde eines Tages eingeladen, an einem musikalischen Wettstreit in Sizilien teilzunehmen. Er gewann den Preis und wurde von seinen Verehrern mit vielen reichen Gaben beschenkt. Die Seeleute, die ihn in seine Heimat zurückbringen sollten, beschlossen, Arion zu töten und zu berauben.
"Du mußt sterben", sagte der Kapitän des Schiffes zu Arion.
"Welches Verbrechen habe ich denn begangen?", fragte Arion.
Der Kapitän erwiderte: "Du bist zu reich!"
"Schont mein Leben", bat Arion. "Ihr sollt all meine Preise haben."
Der Kapitän antwortete: "Du würdest Dein Versprechen sicher vergessen, wenn wir in Korinth ankommen. Ich würde es an deiner Stelle auch tun. Eine erzwungene Gabe ist keine Gabe."
Arion ergab sich in sein Schicksal, doch er hatte eine letzte Bitte: "Laßt mich noch ein letztes Lied singen."
 
 
copyright farm4, static.flickr.com
Der Kapitän stimmte zu.
Arion ging zum Bug des Schiffes, rief die Götter an, sang und sprang dann über Bord. Das Schiff segelte weiter.
Durch Arions Gesang war jedoch eine Schar Delphine angelockt worden.
Einer von ihnen ließ Arion auf seinem Rücken sitzen.
 
 
ARION von Lesbos
Bald überholten sie das Schiff und erreichten den Hafen.
Arion war gerettet, die räuberischen Seeleute wurden zum Tode verurteilt.
Die wilden Tiere, von denen Tartakower sprach, wären demnach die Delphine, die sich durch die Kunst des Arion verzaubern ließen und ihm das Leben retteten.
Der Vergleich mit den bolschewistischen Machthabern enthält eine Anspielung darauf, dass Aljechin in Anerkennung seines herausragenden Talentes mit einer offiziellen Ausreisebewilligung der russischen Regierung Russland verlassen durfte.
Treibt man den Vergleich noch weiter, wird aus dem um sein Leben singenden Sänger Arion der um sein Leben spielende Schachspieler Aljechin – doch eine Schachpartie Aljechins um das eigene Leben ist von Aljechin-Biografen in das Reich der Legende verbannt worden.
 
Quelle: chessbase.de
Sitges (Barcelona) im Juni 2010

 
 

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